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Utopia - mein Paradies

Von

Mrz 1, 2016 Geschichten, Inspiration, Selbstfindung 2 Kommentare

Es gibt Momente, da stimmt einfach alles.

Momente, die einem zeigen, dass es etwas Größeres gibt als uns, dass da noch mehr sein muss als wir und als das, was man mit bloßem Auge erfassen kann. Momente, die – so kurz sie auch sein mögen – das gesamte Glück der Welt in sich birgen, die einen hoch hinauf in den Himmel tragen, über die Menschheit, über unsere Unzulänglichkeiten und Probleme, hoch hinauf über alles. Und diese Momente sind es, die uns mit der Magie des Lebens füllen, die unsere verborgene Schönheit offenlegen.

So selten sie auch sind, diese Momente, so sind sie doch für die Ewigkeit. Himmlische Momente. Momente, die aus Glück und Zauber bestehen.

Einen solchen Moment erlebte ich in Sihanoukville, einer kleine Stadt im Süden Kambodschas, meist bloß nur der Durchzugsort um nach und von Koh Rong zu kommen – Koh Rong, eine einzig große Partyinsel, von der ich gerade eintraf…

Nach der Fahrt zurück ans Festlang checkte ich zusammen mit Muki, dem Inder, in Utopia ein. Allein schon der Name dieses Hostels versprach das Paradies – ein Vorzeichen, das ich erst im Nachhinein zu deuten vermochte.

Wir hatten noch eine Nacht in Sihanoukville und dann trennten sich unsere Wege. Muki fuhr in den Norden des Landes, ich gleich am Morgen weiter nach Thailand.

Nach dem Mittagessen in einer Burgerbude ging Muki zum Tätowierer um die Ecke und ich setzte mich an den Pool unseres Hostels um zu chillen, doch nach kurzer Zeit begab ich mich in den Dorm. Es war früher Nachmittag und ich war von der Rückreise und den ganzen Partynächten in Koh Rong fertig, also wollte ich mich ausruhen.

Ein junges Mädchen lag einsam im Schlafsaal mit einem dünnen Leinen beedeckt und versuchte vergebens zu schlafen. Ich holte einen Aschenbecher, legte mich zu ihr und wir redeten. Ich erzählte, wo ich überall war und dass ich ursprünglich nicht nach Kambodscha wollte und erst recht nicht nach Koh Rong.

„Aber das war eine schöne Zeit, vielleicht sogar die beste.“

„Wieso das?“, fragte Ciara und drehte sich zu mir. Die Betten waren aneinandergereihte Matratzen und wir lagen nun so eng nebeneinander wie es nur Liebende zu machen pflegen.

„Naja, ich wollte Abenteuer, wollte leben und so habe ich mich spontan entschlossen mit Gayden, Muki und einigen mehr auf der anderen Seite der Insel, wo keiner ist, am Strand zu schlafen. Wir haben uns ein Feuer gemacht und sind nachts im Meer geschwommen, wo schimmernder Plankton wie Myriaden von Sternen funkelt, wenn man sich bewegt.“

„Wow“, entgegnete sie, blickte mich an und ich ertrank in ihren grünen Augen.

„No plan is the best plan“, lächelte ich – das klassische Backpackermotto. „Die besten Dinge geschehen ungeplant, einfach out of the blue.“

„Weißt du“, flüsterte mir Ciara entgegen, „ich glaube, nicht wir sind es, die leben, sondern das Leben lebt uns. Jeden Moment. Wir müssen es nur zulassen.“

Ein schöner Gedanke. Und ich fand Ciara umso schöner, weil sie ihn dachte.

Dann flüsterten wir uns weitere Geschichten zu, sie in ihrem entzückenden Posh-Englisch, ich in meinem breiten Pseudo-Amerikanisch. Wir erzählten uns von unseren Reisen und wie schön wir die Welt doch finden, meinten, dass es noch so viel zu entdecken gibt da draußen. Dass wir alle Länder der Welt bereisen wollen. Lachen, lieben, leben.

Unsere feucht gehauchten Worte woben uns einen kuschlig warmen Kokon. Es brauchte nur wenige Sätze und ich fühlte mich Ciara so sehr verbunden wie keinem anderen in meinem Leben. Ich sank in sie, in ihre Welt, ihre Gedanken, mein Glück. Das gesamte Universum schrumpfte auf unsere zwei Matratzen zusammen, je mehr wir uns zuflüsterten.

Immer wieder musste ich mir in Gedanken rufen, dass das echt passierte. Dass ich mitten drin war im Wunder, das mir gerade geschah.

Unbeschreiblich, unsere Nähe nach nur einigen Minuten. Wie wir da lagen und die Welt vergasen, so als ob es bloß uns beide gäbe.

Unvergesslich, ihre Lippen wie sie auf die meinen drückten, unsere Zungen, die einander erforschten wie zwei Gestrandete in einer fremden Welt.

So zuckersüß, so wahnsinnig innig, so zauberhaft.

Mittlerweile war es Abend und Ciara wollte sich ausruhen. Ich ging an die Bar des Hostels und traf einige Bekannte von Koh Rong, darunter Dave, der mir ein Hashbrownie reichte. Zusammen gingen wir essen und zogen weiter in einen Pub. Es waren alles Amerikaner, mit denen ich unterwegs war, und die ich, als das Brownie wirkte, nicht mehr verstand. Ihr Slang war zu anstrengend, ich war zu müde und in Gedanken zu sehr bei Ciara.

Also verabschiedete ich mich und lief zurück ins Utopia, schwebend wie auf Wolke sieben, hoffend wie auf ein Wunder, dass mein Glück noch da war.

Und im Dorm sah ich sie in ihre Decke gehüllt liegen. Ciara, mein Wunder. Ciara, mein Glück.

Sie war wach und begrüßte mich mit einem schillernden Lächeln. Nun, da einige um uns schliefen, kuschelten wir uns ganz nah aneinander und hauchten uns süße Worte zu. Auf einmal war die Müdigkeit wie fortgeblasen, wich Neugier, wich Begierde, wich Liebe. Wir flüsterten uns unsere geheimsten Wünsche zu, verbanden unsere Vorstellungen über das Leben zu einer kunterbunten Welt und erschufen dabei unser eigenes kleines Universum. Nur Ciara und ich und ein Leben in Glück und Liebe.

Wie in Watte gehüllt lagen wir da. Weltverloren in wundersame Sphären entrückt, durch jede Berührung weiter in unseren Kosmos hinein treibend.

Ciaras Wärme sickerten in mich wie pures Glück, ihre grünen Augen versprachen Erlösung, ihre Küsse verhießen das Paradies.

Ich malte mir die Zukunft aus. Ciara und ich gemeinsam am Reisen. Wie wir losfahren, ankommen und weiterfahren. Immer unterwegs, immer gemeinsam. Fliegen, fahren, wandern.

Nichts wollte ich lieber als mit ihr für immer in die Fremde hinaus. Sie an meiner Seite wissend das Leben bestreiten. Mit ihr zusammen die Welt erobern und unsere wildesten Träume leben.

Wie himmlisch, wie wir beide durch die verschiedensten Landschaften trampen, wie wir beide die vergessensten Kulturen bestaunen. Wie wir beide alles entdecken, alles probieren, alles sein.

Oh, wie zauberhaft doch Utopia sein kann!

Am nächsten Tag strich ich Ciara sanft übers Haar und weckte sie mit zarten Berührungen, um mich zu verabschieden. Ich flüsterte ihr ins Ohr sie solle mir ihre Kontaktdaten geben, damit ich mich melden könne und dass ich, sobald sie wieder daheim wäre, nach England käme sie zu besuchen. Fleißig schrieb ich ihren Namen und ihre Adresse mit, um mich der Wahrheit nicht stellen zu müssen. Um sie nicht loslassen zu müssen, jetzt wo ich doch mein Glück gefunden hatte. Sagte dass wir uns Wiedersehen würden, um noch ein wenig weiterträumen zu können. Von ihr, von mir, von einem gemeinsamen Leben in Glück und Liebe.

Ciara hörte mir zu, nickte schläfrig und dann lächelte sie ein Lächeln für die Ewigkeit.

Da verstand ich, kein weiteres Treffen, nicht einmal ein weiterer Tag zusammen würde dieser Nacht standhalten. Vielmehr würde sie eingefärbt, vergraut werden. Das Glück würde schwinden, die Magie, der Zauber, der Glanz. Die Vollkommenheit des Moments würde kippen und an Reflektionen und Erwartungen zerschellen. Und es gab nur eine Lösung, um unser gemeinsames Glück zu wahren und nun hatte ich es in der Hand.

Noch einmal hauchte ich Ciara einen Kuss auf den Mund, packte meine Sachen und bin davon. Weiter nach Thailand, wo ich mir ihr Facebook-Profil ansah und dann alle ihre Kontaktdaten löschte.

Ich habe losgelassen, um zu bewahren. Habe Ciara verlassen, um sie zu behalten.

So schön und zauberhaft wie sie war, in Erinnerung.

Erst viel später stellte sich heraus, dass ich ihren Namen nie vergessen werde und dass ich sie damit immer finden könnte. Auf Facebook oder sonst irgendwo im Internet. Aber gemeldet, das habe ich mich bis heute nicht und ich glaube, das werde ich mich auch nie, denn ich finde diese eine Nacht, die wir miteinander verbrachten, verdient es unberührt, ja unendlich zu sein. In unserer Erinnerung. Sie und ich für immer tief versunken in diesem wundersamen Kokon unserer Worte. Wie Adam und Eva zu zweit im Paradies. Eng zusammengekuschelt, gemeinsam am Träumen, von unseren Abenteuern flüsternd und leidenschaftliche Küsse teilend. Wir beide hellwach und glücklich in Utopia, während die restliche Welt um uns verschwunden war.

Weltenstürmer Mad

 

Bild: www.pexels.com

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Kommentare

  • Justine
    Apr 21, 2016 at 12:53 Antworten

    Ein großartiger Text der sehr gut ausdrückt was auch ich oftmals fühle – leider nicht immer, aber das würde auch den Zauber töten.
    Die Magie des Moments wird oft unterschätzt – und das uns das Leben lebt empfinde ich als eine wundervolle Inspiration!

    Liebst
    Justine
    http://www.justinewynnegacy.de/

    1. Weltenstürmer Mad
      Apr 22, 2016 at 15:51 Antworten

      Hi Justine,

      Vielen lieben Dank fürs Kompliment. Kann auch sehr befreiend sein, wenn man einfach mal sich leben lässt, vom Leben selbst. Vertrauen ins Leben gibt und darauf baut, dass alles gut wird, so kann man mal abschalten. Für mich zugegebenermaßen sehr schwer zu bewältigen. Aber ich bin am lernen 😉

      Liebe Grüße,
      Mad

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