Weil du selbst der Schlüssel bist!

Unbeschwert durchs Leben gleiten

Von

Okt 8, 2015 Inspiration, Selbstfindung 2 Kommentare

Shibuya. 21:30 Uhr. Ein kleines Lokal im ersten Stock.

Die Kellnerin kommt an meinen Tisch und fasziniert mich auf den ersten Blick.

Sie strahlt, denn sie hat diese Leichtigkeit von der ich nur träumen kann, gleitet, nein, tänzelt über das Parkett, mit einer unwiderstehlich offenen Art und einem gewinnenden Lächeln. Ich finde sie sogleich attraktiv, anziehend, denn ich bewundere sie.

Ich bewundere alle, die so sind. Leicht und leichtfüßig, eben vom Leben getragen.

Bin fasziniert von Lebemenschen, den Verrückten, den Ausscherern aus den langweiligen Reihen des Gewöhnlichen, den Unbeugsamen, bin fasziniert von jenen, die berauscht sind vom Gefühl der Lebendigkeit und mit ihrer ungestümen Lebenslust über den Alltag hinaus strahlen.

Von den Davongekommenen, die breit grinsend auf der Welle der Leichtigkeit surfen. Die, die dem Leben unerschrocken entgegentreten und so viel wie möglich daraus machen. Die Strahlemenschen, die echt lächeln, die von Fehltritten nur umso mehr beflügelt werden, die kühnen Glücksvögel, die unbekümmert durchs Leben fliegen und denen kein Weg zu lang ist. Die Lebenshungrigen, deren Leidenschaft sie antreibt und die mit grandioser Seligkeit über das Parkett des Lebens tänzeln. Die vermeidlich geglaubten Irren, die das machen, was sie wollen und sich nicht beugen vor den Regeln der Gesellschaft.

Und ich bewundere sie, weil ich tief in meinem Inneren selbst so sein will.

Ich will brennen. Will Intensität. Will Lebendigkeit.

Ich will wie ein Drachen gleich in den Himmel steigen, wie eine Supernova in einem strahlenden Lichtkegel explodieren.

Ich will den Zauber, die Magie, die Lockerheit.

Eben jene beflügelnde Leichtigkeit, um wie eine Fackel in der finstersten Nacht zu brennen und unerschrocken in die Welt hinaus zu stürmen.

Ich will mitten im Leben stehen und spüren wie es durch jede meiner Poren rauscht.

Verflucht, ich will nichts anderes als die Unbeschwertheit des Lebens spüren.

Innig, intensiv, berauschend.

Und ich meine, die muss doch auch in mir sein, denn am Leben, das bin ich doch. Ich atme ja, ich funktioniere.

Aber irgendwie fehlt diese Leichtigkeit, diese Mühelosigkeit, die andere so sehr strahlen lässt.

Und genau deshalb bin ich zum Abschluss meines heurigen Kurztrips für 6 Tage in Tokio gelandet, um sie zu finden, diese Unbeschwertheit des Seins. Bin eingeflogen in die Metropole der Verrückten, der Spinner und Irrlichter und bunten Gestalten.

Der Plan war so simpel wie kompliziert: Ich wollte mir das verrückte Treiben abschauen, etwas von diesem himmeljauchzenden Irrsinn erhaschen und mit nach Hause nehmen, es bewahren für den Rest meines Lebens, auf dass ich leicht und unbeschwert durchs Leben fliegen kann.

Und deshalb bin ich wie ein Narr kreuz und quer durch die Straßen gelaufen, um die vor Leben flirrende Atmosphäre Tokios zu erfühlen, sie aufzusaugen in der Hoffnung sie mir dadurch einzuverleiben.

Okay. Ich muss gestehen, noch nie habe ich so viele Pinguine gesehen wie in Tokio. Trostlose Schafe in grauen Anzügen und Röcken – die eintönigen Uniformen der Business-Leute. Kein Wunder, denn für Büroarbeiter ist schlichtweg der von uns gewohnte Casual Style tabu. Alles außer Suite ist verpönt und auch verboten.

Aber mit etwas Suchen und Durch-die-Straßen-Laufen kommt man dann auch zu jenen Gestalten, die mich beflügeln.

Zu jenen, die die japanische Ordnung und ihre strengen konservativen Verhaltensregeln zu brechen scheinen und umso mehr strahlen dadurch.

Ich rede von Cosplayern und Harajuku-Style-Trägern wie Lolita-Goth-Chicks (und Lads) und Decora-Girls (und Boys) und dem aktuell so populärem Visual Kei (punk!). Ich rede von Einzigartigkeit, von bunten Farben und krassen Gegensätzen und viel viel Liebe ins Detail.

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Einfach alles ist hier möglich. Es gibt keine Tabus (auf den Straßen), kein zu viel und auch kein richtig oder falsch.

Während meinen Streifzügen wanderte ich zwischen Dr. Martens und Birkenstocks, zwischen Hallo Kitty und Totenköpfen. Und allen erdenklichen Kombinationen davon und darüber hinaus.

Ob super kawaii oder voll dem Gegenteil, dem gothic punk. Hier rennt jeder herum wie es ihm gefällt. Und noch besser, jeder lässt andere so herum laufen ohne auch nur seine Miene zu verziehen.

Denn alle wissen, dass jeder dazu die Freiheit hat.

Ich war in den hippen Einkaufszentren in Shubuya, in Multi-Fashion-Stores und exklusiven Singlebrand-Shops. Immer darauf achtend style-technisch viel Japan, und vor allem viel crazy Tokio zu erkunden.

Bunte Perücken. Regenbogenleggins. Verzierte Gasmasken und Mundschutz. Funky Fächer und Schirme. Krass hohe Plateau-Schuhe, vernietete Kleidersfetzen, Lack und Leder und leuchtende Neonfarben neben zum Schreien komischen Mangafiguren und verniedlichten Plüschtier-Mützen und Rucksäcken.

Am Sonntagnachmittag bin ich sogar trotz Fieber durch die Takeshita Street gelaufen und ging voll darin auf.

Denn sonntags zwischen 13:00 Uhr und 16:00 Uhr verwandelt sich diese Einkaufspassage im Stadtviertel Harajuku gewissermaßen in einen Laufsteg für alle Verrückten Tokios, die in den Touristenströmen shoppen gehen und dann für massenweise Fotos posen.

Und diese Leute verstecken sich nicht hinter ihrer Bekleidung, viel mehr tragen sie etwas ihres Inneren zur Schau. Stülpen es raus und haben noch Spaß dabei.

Sie drücken sich durch ihren Look aus – Self-Expression in der modisch-radikalsten Form.

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Und ist man dort, sieht man auch, dass sie einen Teil ihres Kindes bewahrt haben. Sie albern und tanzen und spinnen herum.

Staunend ging ich durch die überfüllte Takeshita Street und bewunderte mit breitem Grinsen diese bunten Vögel. Wie sie mit Liebe ins Detail die Vielfalt der Erscheinung feierten. Schrill gefärbte Perücken trugen und auf Plateauschuhen balancierten. Und keinen Gedanken daran verschwendeten, was andere von ihnen denken.

Und ich? Ja, ich wollte wie die einfach mal ein Spinner sein.

Wahnsinnig und durchgedreht, um dem Mahlwerk unserer Norm-Gesellschaft zu entkommen, dem Strudel aus ständigen Zukunftsorgen und der ewigen Plagerei für Später und in letzter Zeit auch wieder dieser lethargisch machenden Antriebslosigkeit.

Also zog ich meine Docs an, holte mir freshe Sachen im 109 MEN’S und stürzte mich in die bunt gefärbten Touristenmassen, wo ich auf all die wunderbar irren Gestalten traf.

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Cosplay Cyber Punk in Harajuku

Tokio war ein erfrischender Gegenbeweis, dass mit meinen zarten 23 doch nicht alles vor die Wand läuft, dass es weiter gehen kann. Immer. Und radikal anders als man gedacht hat. Man muss nur ausscheren aus den Reihen des grauen Alltags, muss nur mal darauf scheißen worin auch immer man zu stecken glaubt und sich einfach mal was komisches überwerfen, rausgehen, herumblödeln und Spaß haben – und dann Tokio von seiner buntesten Seite erleben. Mit anderen verrückten Leuten – zwar völlig Fremden, aber Gleichgesinnten.

Und dadurch habe ich neuen Mut gefasst.

Will es ein weiteres Mal mit den Auswürfen der Welt und vor allem meines Denkapparats aufnehmen und so viel wie möglich spinnen.

Auf dass ich irgendwann so werde wie die, die ich bewundere: Die Leichtfüßigen, die Echten, die Strahlemenschen, die wie bunte Vögel unbeschwert durchs Leben gleiten.

Weltenstürmer Mad

 

PS: Wollte eigentlich meine Fotos verwenden, aber dank einer größeren Computerpanne sind die alle fort.

Bilder: Tokyo Fashion, claude estèbe, ©tommycuellar, 男渋谷区, DeviantArt

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Kommentare

  • Tabitha
    Nov 16, 2015 at 21:32 Antworten

    Wow, Tokio steht sowieso auf meiner Liste, aber Du schaffst es einen vom Gefühl her gleich mitten rein zu katapultieren- in das verrückte bunte Treiben. Großartig!

    1. Weltenstürmer Mad
      Nov 17, 2015 at 13:10 Antworten

      Hi Tabitha,

      danke dir! Das freut mich 😉 Wann soll’s denn dort hingehen? Auf jeden Fall kann ich dir ein Manga Café als Budget Stay empfehlen oder ein Capsule Hotel, aber da weiß ich leider nicht ob es das auch for girls gibt 😀

      Liebe Grüße,
      Mad

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