Weil du selbst der Schlüssel bist!

Strand, Meer, Meditation

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Dez 9, 2014 Geschichten, Inspiration, Selbstfindung , , 4 Kommentare

Ein Strand. Palmen. Die Sonne kriecht aus dem Meer und taucht alles in feurig-orangen Schein.

Die Luft ist salzig, klar und frisch.

Meine Füße graben sich abwechselnd in den noch feuchten Sand, bei jedem Schritt leicht schmatzend, immer im Takt meines Atems. Ich laufe, und sauge die Luft tief in meinen Bauch, während die aufgehende Sonne meinen Schatten auf den Sandstrand pinselt.

Einzelne Fischerboote schaukeln sanft in der Brandung, ihre Lacke abgeblättert vom vieljährigen Einsatz; bunt schimmern die verschiedenen Farbnuancen im Meer.

Vintage-Look würde man dazu in Deutschland sagen.

Hier ist es kein Look, hier ist es echt.

Boot schaukelt im Meer

Am Himmel ziehen Möwen weite Kreise, ihre Schreie mischen sich mit der leichten Brandung und formen eine fast meditative Geräuschkulisse.

Ich lasse meine Lungenflügel eine Runde über das Meer hinausgleiten und sauge den Salzduft tief in mich ein, während ich mit den Möwen Spiralen in das satte Blau des Himmel schreibe.

Wie still alles ist, eine tiefe Ruhe liegt in den Dingen, im Meer und Getier.

Eine Stille, die bei jedem Atemzug tiefer in mich einsickert – so, wie die Wellen in den Sand.

Und während ich laufe und das stetige Rauschen der See meine Gedanken fortspült, denke ich nichts.

Gar nichts.

Ja, gar nichts.

Ich bin einfach.

Bin alles und nichts.

Bin ein Gefäß, offen für den Zauber der Natur, offen für die Welt und ihre Schönheiten. Weit offen für das Leben.

Hier könnte ich bleiben und meinen Roman schreiben, inspiriert von der tiefen Ruhe des Meeres, ganz nah an der Natur, an Mutter Erde, dem Quell aller Kreativität, allen Seins.

Hier könnte ich jeden Tag mit den ersten Sonnenstrahlen aufwachen, breit lächelnd und mit einem Gefühl von Fülle im Herzen.
Und vielleicht könnte ich hier glücklich sein.

Reicht es denn nicht, wenn ich glücklich wäre? Ganz gleich wodurch?

Muss ich denn Business machen auf dieser Welt, muss ich denn hart arbeiten, Steuern zahlen, Abgaben leisten, auf die Rente sparen und immer nur auf das Später denken?

Muss ich denn nachleben, was andere mir vorleben, obwohl es doch so selten zu funktionieren scheint?

Hier muss ich das nicht.

Hier bin ich so weit weg von alledem, und dem ganz nah, was ich für Glücklichsein halte:

Ein einfaches Leben im Einklang mit Mutter Erde.

Ich könnte hier von Früchten leben, von Kokosnüssen und Mangos, von Drachenfrüchten und anderen paradiesischen Leckereien, die einfach so auf den Bäumen wachsen.
Aus dem Treibgut des Meeres könnte ich mir eine Hütte bauen, gerade so groß, dass es fürs Übernachten reicht, dass sie mir Schutz vor Gewitter bietet, aber mir in klaren Nächten einen uneingeschränkten Blick in den Sternenhimmel gewährt.

Meine Zeit würde ich auf dem Strand oder im Dschungel verbringen, morgens im steten Schein der Sonne die Bucht ablaufen und dem endlosen Atem des Meeres lauschen, so wie jetzt.

Aus Kokosnüssen und Spucke könnte ich mir eine betörende Spirituose herstellen, die mich in manch schwarzer Nacht in bunte Traumlande entführt. Oder bräuchte ich überhaupt noch Alkohol, an einem Ort, wo ich Seelenfrieden hätte?

Ich könnte einfach so in den Tag hineinleben, ohne mir den Kopf darüber zerbrechen zu müssen, was morgen und übermorgen für Termine anstehen, welche Arbeiten zu erledigen wären, welche Rechnungen beglichen werden müssen und ob sich all die Mühen im Alter dann auch gelohnt haben werden.

Ich müsste weniger planen.

Könnte weniger denken, aber dafür umso mehr sein.

Ich könnte endlich den Moment leben. Tagelang, oder gar Wochen, Monate… wer weiß, vielleicht ein ganzes Leben lang.

Ja, all das könnte ich hier machen.

Und tief in mir weiß ich, mir würde es reichen.

Mir würde es sogar mehr als reichen.

Schweißgebadet setzte ich mich vor meinen Bungalow. Er ist direkt am Strand, sodass man nachts glaubt, das Meer trage einen sanft auf dem Rücken seiner Wellen ganz weit in sich hinein.

Drei Stufen führen zu einer Veranda mit gespannter Hängematte hoch. Bett, Moskitonetz und Steckdose ruhen hinter der mit Vorhängeschloss geschützten Tür einer schlichten Bambushütte – fast schon zu luxuriös für einen wie mich.

Wie jeden Tag hier am Strand, meditiere ich, oder versuche es zumindest.

Im Schneidersitz hocke ich da. Die Augen geschlossen, den Rücken gerade, die Hände auf meinen Knien in Richtung Himmel geöffnet.

Ich fokussiere mich auf meinen Atem. Beobachte ihn. Atme nicht selbst, sondern lasse mich ganz ohne meine Regulation atmen.

Eine sanfte Brise streicht über meinen Körper und trocknet den Schweiß. Ich lasse sie in mich, lasse sie meine Gedanken fortwehen und übergebe mich der vorherrschenden Geräuschkulisse, Mutter Natur und ihrem Quell des Lebens, dem Lauf der Welt, dem Es, das mich atmet, dem Es, das meinen Kreislauf am Laufen hält und mich jeden Morgen aufs Neue erwachen lässt.

Die Sonne malt farbenprächtige Muster hinter meine Augenlider und ich sitze da und schaue dabei zu.

Nein, erinnert das Es mich. Das bin nicht ich, der da sitzt. Jedenfalls nicht nur.

Denn ich schwebe in einem unsichtbaren Raum und beobachte.
Beobachte wie ich geatmet werde, wie ich am Himmel weite Kreise beschreibe, wie ich sanft an den Strand schwappe, wie ich seelenruhig in den Wellen schaukle. Wie ich wachse, wie ich mich drehe, wie ich strahlend am Himmel wandere.

Bin ganz ruhig und gelassen und fühle das Leben.

Bin Leben.

Bin Tod.

Bin alles und nichts zugleich.

Aber nur drei Sekunden lang, vielleicht auch fünf. Aber immerhin.

Dann merke ich, dass sich mein Verstand an vorbeiziehende Gedanken geklammert hat – unbewusst, eben aus Gewohnheit.

Ich versuche es nicht zu bewerten, finde es weder gut noch schlecht. Es ist einfach so und ich nehme es an.

Denn alles ist gut, so wie es ist – sonst wäre es anders.

Weitere Gedanken kommen und ich flechte einen Tagtraum daraus und verfange mich darin.

Schlage die Augen auf und lächle meinem Glück entgegen.

Strand Meditation

Ich denke daran, wie es wohl wäre hier zu bleiben, hier zu leben und täglich am Strand mit der orange schimmernden Sonne aufzustehen. Mich von der Geld orientierten Leistungsgesellschaft für immer loszusagen, um einfach hier von einem Tag in den anderen zu leben.

Egal, was ich mache, einfach eben leben. Im Moment. Im Glück. Ganz nah an Mutter Erde.

Und dann denke ich an das, was sich mein Zuhause nennt.

Denke, dass ich zurück muss. Zurück in die Hektik, in mein Büro, zu meinem Business; zurück ins echte Leben, und ich frage mich wieso?

Denn hier bin ich ganz weit weg von alledem und hier fühlt es sich echt an.

Hier fühle ich mich lebendig.

Und ich weiß, hier könnte ich glücklich sein.

Nicht nur für einen Moment, sondern für ein ganzes Leben lang.

Mein ganzes Leben lang.

Palmen_Strand

Aber schließlich gehe ich dann doch zurück.

Denn ich habe noch einiges zu erledigen.

Habe noch zu entdecken, noch zu erforschen, noch zu suchen und zu finden.
Und noch viele Länder dieser Welt zu stürmen, Geschichten zu sammeln, Erfahrungen zu machen, meine Luftschlösser zu bauen und nach den Sternen zu greifen und dann darauf zu hoffen, dass ich irgendwann wieder hier sein werde.

Hier, wo das Glücklichsein so leicht erscheint.

Weltenstürmer Mad








Titelbild: Mrs. Gemstone

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Kommentare

  • Ildiko Varga
    Dez 16, 2014 at 8:10 Antworten

    Hallo,

    die Stammleserin wieder. Sogar die Infofelder sind schon für mich automatisch ausgefüllt 😀

    So schön geschrieben, ich mag gern jetzt in diesem Moment auch von allem hier lossagen, die Idee, an so einem schönen Ort in „einfachen bescheidenen“ Verhältnissen zu leben, ist echt eine verlockende. Nur muss man bei so etwas immer aufpassen, dass man das wirklich tut, weil man es in dem Moment will und nicht, weil man vor etwas wegläuft. Weglaufen heisst immer etwas unvollbracht zurück lassen und das kommt dann früher oder später wie ein Bumerang zu einem zurück…. kann ich ein Lied von singen…

    1. Weltenstürmer Mad
      Dez 16, 2014 at 15:35 Antworten

      Hallo Ildiko,

      welche Freude von dir zu hören! Habe nun wieder alles wie ursprünglich gehabt herrichten können 😉

      Sehr verlockend sogar, besonders, wenn hier Regenzeit ist – und das im Dezember 🙁
      Danke dir für deine Erläuterung (wenn auch durch schlechte Erfahrungen), das klingt schlüssig für mich und na ja, wenn Weglaufen eine Option wäre, wäre ich schon fort. Anstatt dessen klammere ich mich an Hoffnungen, die immer mehr einer Illusion ähneln… zumindest hier. Aber dazu mehr in meinen folgenden Posts.

      Liebe Grüße,
      Mad

  • Afschin
    Feb 17, 2015 at 0:21 Antworten

    Hi Mad,

    ein sehr schöner und poetischer Beitrag. Mir gefällt diese Stelle sehr gut:
    „Muss ich denn nachleben, was andere mir vorleben, obwohl es doch so selten zu funktionieren scheint?“ Eine sehr weise und berechtigte Frage.

    Ich werde auch darüber nachdenken und meine Antworten finden.

    Herzliche Grüße
    Afschin

    1. Weltenstürmer Mad
      Feb 18, 2015 at 13:46 Antworten

      Hey Afschin,

      freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt, danke!
      Eine Frage, die mich schon lange beschäftigt, gestellt von dieser Stimme, dass da was falsch läuft, die irgendwie in uns allen lärmt und schreit. Ich hoffe du findest brauchbare Antworten, ich für meinen Teil bin noch auf der Suche und muss mal was ändern und ausprobieren.

      Liebe Grüße,
      Mad

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