Weil du selbst der Schlüssel bist!

Du - Kind des Drachens, Nachkommin der Götter

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Nov 4, 2014 Geschichten, Inspiration, Selbstfindung , 0 Kommentare

Der Legende nach verliebte sich einst Lac Long Quan, der Drachen aus dem Meer, in die bezaubernd schöne Fee aus dem Hochland, Au Co.
Lac Long erbaute Au Co ein wunderschönes Schloss in den Bergen, nahe der heutigen Hauptstadt Hanoi. Ein Jahr später gebar Au Co ihrem Gatten einen goldenen Sack mit 100 Eiern, aus denen bald 100 Söhne erwuchsen. Doch nach Jahren des Glücks, sehnte sich Lac Long wieder nach dem Meer und als er es nicht mehr aushielt, dort im Gebirge, verließ er seine Göttergattin und nahm die Hälfte ihrer gemeinsamen Söhne mit in seine Heimat, in die Tiefen des Meeres.

Die unsterbliche Au Co hingegen, ernannte ihren ältesten Sohn, Hung Vuong, zum ersten König des Landes, verwandelte sich in einen Kranich und flog davon, hinaus in das Land, um über ihre Kinder zu wachen.

Hung Vuong, der mutige Herrscher, begründete die Jahrtausende überdauernde Linie der Hung-Könige der Hong Bang Dynastie. Er vereinte all die verfeindeten Stämme im Land unter einem Reich und nannte es Van Lang – Vietnam war geboren.

Noch heute gilt Hung Vuong als der Gründervater des Volks der Viets – die Viets, Kinder des Drachen und Nachkommen der Götter.

Und weil ich diese Art von Legenden mag, flog ich nach Vietnam.
Ich wollte Geschichten, wollte Abenteuer, wollte lebendig sein; ich wollte den Zauber dieser Welt erleben.

Vielleicht bekam ich das auch alles – zwar auf eine andere Art und Weise, als ich es mir Zuhause vorgestellt hatte – aber das ist egal, denn ich traf dich.

Und hier beginnt die eigentliche Geschichte:

Wir saßen in einem Café im Old Qaurter in Hanoi. Die Sonne schien am wolkenlosen Himmel und die Stadt um uns pulsierte elektrisiert. Die französischen Kolonialbauten und die vielen historischen Parkanlagen versprühten zusammen mit den geschäftigen Marktgassen den Charme vergangener Jahrhunderte und die lockere Art der Vietnamesen durchflutete auch bald mich.

Ich weiß nicht, wie du zu uns gekommen bist, in meiner Erinnerung warst du einfach schon da.
Du hattest eine Freundin mit und lachtest dein südländisches Lächeln voller Lebensfreude und Abenteuerlust.

Ich dachte, alle Mädchen würden als Schuluniform Ao Dai tragen, das traditionelle Gewand Vietnams, doch ihr tatet das nicht. Eure Uniform war eine marineblaue Hose, eine weiße Bluse und eine schmale Krawatte. Dein dichtes rötliches Haar war zu zwei lockeren Ponytails gebunden und auf deiner Bluse hing eine Drachenbrosche.

Drachen, das Symbol für Glück und Weisheit, so glauben Vietnamesen.
Du warst Vietnamesin, warst ein Kind des Drachens. Du könntest mir Glück schenken, glaubte ich.

Vietnamesischer Drachen

Wir scherzten und lachten und mein Blick wanderte ständig zu dir, denn du hattest etwas an dir, das ich von Anfang an toll fand. Die Art, wie du verschämt kichertest und wie dir die englischen Worte mit entzückendem Akzent in quirligem Wortschwall über die Lippen rollten – volle und rote Lippen, solche, die man gerne auf den seinen spürt.

Wir tranken Bier Hanoi – leicht und süffig und billig.
Vielleicht gehörte der Laden deinen Eltern oder Verwandten, keine Ahnung, ich habe dich nie danach gefragt.

Vielleicht war es auch nur Zufall, dass wir uns trafen, vielleicht war es aber auch mehr als das.

Ich deutete auf deine Drachenbrosche und erzählte, dass mich Mythologie fasziniert und dass ich all eure Legenden über Drachen, Ungeheuer und Götter unglaublich cool finde. Du hast mich skeptisch angeschaut, wohl gedacht, es wäre eine Masche, dich verführen zu wollen oder so.

Dann entdecktest du mein Tattoo und fragtest, ob ich buddhistisch wäre.

„Wenn du willst“, sagte ich und nickte dir zwinkernd zu. „Und was bist du?“

„Eigentlich katholisch, aber ich bin ich.“ Auch du schenktest mir ein Zwinkern.

Holy Shit“, sagte ich mit gespielter Empörung und alle am Tisch kicherten.

„Wo kommst du her?“, fragtest du.

„Eben vom Flughafen. Gleich zwei Blöcke weiter, habe ich mir ein Zimmer gebucht.“ Ich grinste verschmitzt.

„Nicht nötig, zu mir ist es näher.“ Du griffst zum Bier. Über den Dosenrand schautest du mich an, du, die taffe Rebellin, die du warst.

Irgendwann bezahlten wir und die anderen aus meinem Hostel verabschiedeten sich. Ich jedoch blieb, denn ich wollte bei dir sein.
Deine Freundin und du diskutierten wild auf Vietnamesisch, bis sie mir irgendwann zuwinkte, auf ihr Moped stieg und davonfuhr.

Auch du setztest dich auf deinen Roller und ich stellte mich davor, sodass du nicht losfahren konntest.

„Wo willst du hin?“, fragte ich und lächelte dich an.

Aber anstatt zu antworten, hast du dich über den Lenker gebeugt und mich geküsst: Einfach so lehntest du dich vor und schon hatte ich dich im Gesicht und deine Lippen auf den meinen.

Von deiner Tat offenbar selbst erschrocken, zogst du dich auf dein Moped zurück.

Ich grinste verdutzt.

„Komm, ich zeige dir etwas“, hast du gesagt und auf den Platz hinter dir gedeutet. Ich bin sogleich aufgestiegen, habe meine Arme um deine Hüften gelegt und schon sind wir los gerauscht, hinein in den chaotischen Verkehr Hanois.

Wir kurvten durch die engen Gassen und ich versuchte so viel wie möglich einzufangen, von der einzigartigen Atmosphäre dieser Stadt.

Thang Long hieß sie einst, was „der aufsteigende Drache“ bedeutet – wunderschön, wie ich fand und es fiel mir nicht schwer mir vorzustellen, dass wir, einem vietnamesischen Drachen gleich, schwebend durch die Straßen schlängelten.

Vor einem Park haben wir angehalten und du hast mich mit deiner aufgeweckten Art den See entlang geführt. Du ranntest und sprangst um mich, während du wie ein Kind kichertest und mich fragtest, wie lange ich denn bliebe.

„Ich weiß es nicht“, habe ich gesagt.

Der Plan war nur einige Tage in Hanoi zu bleiben um dann Richtung Ha Long Bay zu starten – der Trip war schon gebucht.

Wir gingen bis zu einem Rasen, setzten uns am Ufer ins Gras und warteten auf den Sonnenuntergang. Kaum Menschen kamen vorbei, hi und da ein Tourist, aber mehr auch nicht.

Ich stellte mir vor, dass ein Kranich vor uns im seichten Gewässer stünde und dachte an den Entstehungsmythos dieses Landes und an Au Co und daran, dass sie uns beobachtet, um aufzupassen auf dich, dem Kind des Drachens, der Nachkommin der Götter.

Wir haben über die Zukunft geredet und was du mal werden möchtest.

Du erzähltest, dass du es nicht so machen willst, wie deine Eltern, dass du das Verhalten der vorangegangenen Generationen doof findest und die Gesellschaft mit all ihren schwachsinnigen Regeln auch. Dass du gerne trinkst und das Leben feierst, mit allem drum und dran.

„Mir ist egal, was andere von mir denken“, hast du gesagt.

Eine Rebellin, das warst du.
Ein kleiner Drachen, der all die Grenzen um sich überfliegt – ein einzig großes Abenteuer.

Und genau deshalb war ich hier. Ich wollte ein großes Abenteuer erleben. Und ich könnte dich erleben.

Du machtest Musik am Handy an und lächeltest, und wir warfen uns zurück in den mit Blumen gespickten Rasen.

Während irgendein Chart-Song zu uns schallte und die Sonne orange leuchtend unterging, küssten wir uns. Anfangs scheu und einfühlsam, dann innig und intensiv.

Du schmecktest nach Honig und Mandeln, nach Glück und Lebensfreude.

Ich fühlte mich geborgen und verstanden bei dir – äußerst selten, diese Momente bei mir Zuhause.

Ich malte mir aus, wie ich dich noch mehr genießen würde… oh Gott, und wie ich das würde!
So, wie du dich an mich schmiegtest, wusste ich, du wolltest es auch und die Vorstellung daran beflügelte mich.

Aber genau das war es…

ich wollte, dass du etwas besonderes für mich bist, wollte nicht, dass du irgendwann in meiner Erinnerung mit all den anderen Liebschaften verschwimmst, die ich mal hatte. Nicht du, das Kind des Drachens, die Nachkommin der Götter. Das große Abenteuer, das du warst.

Und so, wie ich dich in Erinnerung habe, scheint es wohl geklappt zu haben.

Denn in meiner Erinnerung bist du die, die immer schon da war.

Bist die, die unschuldig lächelte und mit mir verwegen flirtete.

Bist die, die mich auf den überströmten Straßen von Hanoi küsste und dann erschrocken zurückwich.

Bist die, die mir Glück schenkte und mich lebendig machte.

Aber vor allem bist du die, die mich dort berührt hat, wo es sonst keine je zuvor schaffte: Im tiefsten Winkel meines Herzens, genau dort, wo wir immer noch zusammen sind, du und ich. Und wo wir im letzten Licht des Tages durch den Park spazieren und am silber-funkelnden See liegen und uns im flimmernden Orange der schwindenden Sonne küssen. Unendlich lange und so vertraut und einfühlsam, als ob wir Seelenverwande wären.

Ich denke noch an dich, ziemlich oft sogar.

Zum Beispiel jetzt, im Nachtbus nach Hue.

Weltenstürmer Mad im Nachtbus nach Hue

Smiling outside and crying inside – Saving face, wie es so viele hier im Lande machen.

Drei Tage ist es her, als ich gegangen bin und manchmal, da verzehre ich mich nach dir und deinem verschmitzten Lächeln, das du lächeltest, als ich dir erklärte, warum ich gehen musste. Ein Lächeln, so als verstündest du mein Vorhaben komplett.

Aber ich bereue es nicht, dass ich ging, denn ich weiß, diese Begegnung wird für immer währen und mir jedes Mal ein Schmunzeln schenken – immer dann, wenn ich an diese Reise denke. Gewiss ein wenig wehmütig, aber dennoch fröhlich, denn du hast mir etwas gegeben, wovon ich immer zehren kann:

Den Glauben an etwas Größeres als uns, den Glauben an Drachen und Feen und Zauber in dieser Welt.

Und eine wundervolle Erinnerung an das Lächeln eines Kinds des Drachens, das mir zeigte, dass auch ich ein großes Abenteuer sein kann.

Weltenstürmer Mad

 

 

 

 

PS: Es gibt mehrere Versionen des Entstehungsmythos von Vietnam und das ist einer davon.

Titelild: David Bacon

 

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