Weil du selbst der Schlüssel bist!

Ich habe Möglichkeiten, ich habe die Wahl

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Nov 4, 2015 Inspiration 6 Kommentare

Silvester steht bald vor der Tür und damit wieder die Nacht der Nächte mit funkensprühenden Raketen, explodierenden Farben und bunt leuchtendem Lichterregen. Himmelstrebende Feuerwerkskörper zwischen verbranntem Schwarzpulverduft und einer Menge klimpernder Gläser; vibrierendes Surren hochsteigender Raketen, pulsierende Lichtkuppeln und verglimmende Funken.

Ich will dieses Feuerwerk auf keinen Fall verpassen, lädt es doch zum Träumen ein und weiß es einen mit seiner Pracht zu wärmen. Vielleicht schaue ich es mir irgendwo in einer Großstadt an, wo ich minutenlang in den Himmel starre, gefesselt von Magie und Zauber, in der Hoffnung, dass es meine bösen Geister vertreibt und mir Glück und Erfolg fürs kommende Jahr beschert.

Denn das könnte ich gebrauchen.

Ich atme tief durch und blicke in den Spiegel. Eine junge Gestalt blickt mir entgegen, ein Twentysomething wie es jetzt trendy heißt, einer, der voll im Saft steht, einer, der die Welt stürmen kann. Mit Potential, mit Möglichkeiten, mit der Wahl.

Quo vadis, Junge?, frage ich. Wohin gehst du?

Aber mein Spiegelbild bleibt still.

Betreten schaut der Junge zu Boden, denn er weiß es nicht. Eigentlich will er überall hin, will in alle Richtungen ausschwirren, will alle Möglichkeiten ausschöpfen, will alle Wege gehen, will alles sehen, alles erleben, alles sein.

Und das, obwohl er nur einen Weg gehen kann. Obwohl er sich entscheiden muss. Für einen Job, eine Richtung, ein Leben.

Wohin gehen? Was machen? Was werden?

Ich könnte Romanautor werden, Journalist oder Reisereporter, ich könnte Malen, Digital-Painting, und dann T-Shirts und Hoodies entwerfen, könnte Webdesigner werden oder einfach als Fotograf die Welt bereisen. Ich könnte freiberuflich Texten oder bei einem all der Lifestyle-Magazine in der Bild-Postproduktion tätig sein, in Photoshop die Haare machen, die Haut retuschieren oder sonst etwas dergleichen… Ich könnte auch Digital Marketer, Controller oder Content Marketing Manager werden, könnte Dokumentatiosfilme drehen und noch vieles mehr.

Ich habe Möglichkeiten, ich habe die Wahl.

Aber wohin nur mit meinem jungen Leben?

Hin und hergerissen zwischen all den möglichen Wegen, kann ich mich nicht entscheiden und während ich bereits jahrelang grüble und abwiege, was denn nun das Richtige für mich wäre, zieht meine Zeit auf Erden an mir vorbei.

Nur kann ich mich partout nicht auf etwas festlegen, denn wenn ich mich für etwas entscheide, dann scheiden zugleich all die anderen Möglichkeiten aus. Aber alles sein, das kann ich nicht.

Wer alles haben will, bekommt am Ende nichts.

So heißt es doch, oder?

Und ich glaube, das kann durchaus auch zutreffen, denn genauer betrachtet, will ich ja gar nicht alles, ich kann mich eben nur nicht für etwas entscheiden und demnach weiß ich ja eigentlich nicht, was ich will.

Was soll mir denn gegeben werden, wenn nicht einmal ich selbst weiß, was ich möchte?

Genau: Nichts kann mir gegeben werden. Ich will ja nichts so wirklich übermäßig krass. Außer… ja außer eben diese eine Sache.

Und das ist die Wahl.

Die Wahl jederzeit einen Weg einschlagen zu können; die Wahl jederzeit durch eine der tausend Türen treten zu können. Abzuhauen, neu anzufangen, endlich durch irgendwas glücklich zu werden. Und falls nicht durch das, dann möglichst gleich durch etwas anderes.

Hauptsache flexibel, Hauptsache nicht die Zukunft verbaut, Hauptsache nicht auf etwas festgelegt.

Es ist zum Haare raufen, dieses verfluchte GenY-Problem, es hat mich befallen wie ein Virus und nun kann ich es nicht mehr abschütteln, doch wenn ich gründlicher nachdenke sind andere meiner Generation gar nicht so befangen in Sachen Lebensorientierung, sondern wissen genau, was sie wollen.

Und wenn ich zurückdenke, hatte ich es immer schon: Diesen Drang etwas anders zu machen. Etwas Einzigartiges, etwas Wichtiges, etwas Sinnvolles und Richtiges.

Bei mir ist es mehr eine Art Gendefekt, angeboren to be fucking weird.

Ich wollte anders sein, wollte etwas anders machen als alle anderen. Irgendwas Kreatives, etwas aus tiefstem Herzen, mit Leib und Seele dabei.

Aber irgendwie kann ich mich nicht entscheiden, was.

Aus Angst, dass ich nach einer Entscheidung doch den falschen Weg eingeschlagen habe, will ich mir alle Optionen offen halten.

Denn ich habe Möglichkeiten, ich habe die Wahl.

Und so warte ich noch, bis mir etwas als das einzig Richtige, als das eine Wahrhaftige erscheint – vielleicht mit Engelsgesang begleitet und von Spotlights bestrahlt.

Ob das so offensichtlich der Fall sein wird? Keine Ahnung. Ich wüsste nicht, woran ich es sonst erkennen sollte.

Und jetzt stehe ich vor dem Spiegel und denke über meine Zukunft nach.

Neulich erst las ich von einigen Reisebloggern, was sie denn zu Silvester geplant haben und ich war geschockt, dass schon wieder ein Jahr rum war. Vor genau einem Jahr war ich jetzt in Vietnam. Wo war sie hin, die ganze Zeit? Was hat sich geändert?

Im Kopf zog ich enttäuscht meine Zwischenbilanz: Schon wieder ein ganzes Jahr vorbei und schon wieder nicht mein Jahr. Und bald ist Silvester und alles geht von vorne los.

Das Leben geschieht während ich auf dessen Beginn warte. Ich habe Möglichkeiten. Ich habe die Wahl.

Und letztens hatte ich dank diesem Urlaub-Post zum Jahreswechsel auf Globusliebe einen Traum. Es war kurz vor Mitternacht zu Silvester und ich lief hektisch durch meine Stadt. Rannte und hastete von einem Ort zum anderen, denn ich wollte unbedingt den besten Platz ergattern, um das glückverheißende Feuerwerk zu bestaunen.

Aber während ich gedrängt von all den Möglichkeiten rastlos durch die Gassen hastete, da stiegen die Raketen schon auf.

Und ich war irgendwo allein im Dunkeln.

Weltenstürmer Mad

 

Inspiriert von Beatrice Tzschentke.

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Kommentare

  • Nicole
    Nov 4, 2015 at 17:31 Antworten

    Hallo Mad,

    Du bist nicht allein im Dunkeln. Hier sind jede Menge Menschen, die Dich gern auf Deinem Weg unterstützen.

    Entschiede Dich für den ersten Schritt, der Rest kommt mit der Zeit.

    Alle Besten Wünsche auf Deinem Weg!

    Nicole

    1. Weltenstürmer Mad
      Nov 17, 2015 at 13:39 Antworten

      Hi Nicole,

      danke für die Aufmunterung, hoffen wir’s, dass Silvester ein guter Anfang wird. Der erste Schritt wurde bereits gemacht, nur ist nicht das Anfangen das schwere, sondern das Durchhalten. Kennst du sicher auch beim Buchschreiben 🙂

      Liebe Grüße und auch dir allee besten Wünsche,
      Mad

      1. Nicole
        Nov 17, 2015 at 17:30 Antworten

        Hallo Mad,

        ja das kenne ich nur allzu gut 🙂
        Aber Du machst Deinen Weg schon!

        Viele Grüsse
        Nicole

        1. Weltenstürmer Mad
          Nov 19, 2015 at 12:34 Antworten

          Das hoffe ich doch, Nicole! Und du machst deinen auch 😉

          Cheers,
          Mad

  • Manuela Eder
    Dez 18, 2015 at 11:59 Antworten

    Hallo Mad,

    es hat mich sehr berührt, diesen Artikel zu lesen. Die Suche nach dem Sinn, dem was soll ich machen – der Druck der auf einem ausgeübt wird. Der eigene, ganz persönliche und auch der gesellschaftliche.

    Ich kann sehr gut nachfühlen, wie es dir zu diesem Zeitpunkt gegangen ist. Ich war auch sehr lange Zeit auf der Suche, was für mich beruflich das Beste ist. Und ich kann dir sagen ich habe viele verschiedene Dinge ausprobiert – und erst jetzt befinde ich mich auf dem Weg, dahin.

    Und nach allem, was ich von dir hier gelesen habe, empfinde ich, dass du auch auf dem richtigen Weg bist. Du schreibst von Dunkelheit – Dunkelheit in der du alleine warst.

    Vielleicht ist es gerade die Dunkelheit, die dir das Licht zeigen kann, für deinen Weg. Vielleicht ist es die Dunkelheit, die deine Gedankenkarusel zum Stillstand bringt. Vielleicht ist es die Dunkelheit, die dich zur Ruhe kommen lässt, die dein rasen durch die Gassen stoppt. Erst die Dunkelheit zeigt das wunderbare Farbenspiel eines Feuerwerkes.
    Erst in der Dunkelheit, sehen wir den Mond und wie du einmal geschrieben hast, die Sterne, die Milchstraße – die Klarheit.

    Und wie viele bereits geschrieben haben, bist du auch in der Dunkelheit nicht alleine. Auch in der Dunkelheit gibt es Schönheit und Leben, auch wenn wir es nicht gleich erkennen können.

    Ich wünsche dir alles Liebe und freue mich bald wieder etwas von dir zu lesen.

    Manuela

    1. Weltenstürmer Mad
      Dez 18, 2015 at 17:22 Antworten

      Hi Manuela,

      danke für deine lieben Worte <3 Wie recht du doch hast mit der Dunkelheit und dem Licht. Ein sehr schönes Bild hast du da bemüht, vielleicht baue ich es mal irgendwo ein - vorausgesetzt ich darf 😉 Vielen Dank dafür und auch dir alles Liebe. Schön, dass du auf deinem Weg bist und auch schön, dass du glaubst ich bin es auch - das macht Mut es durchzuziehen, denn etwas für mich großes schwebt mir vor.

      Aktuell fließt meine Zeit irgendwo anders hin als in Blogposts, aber ich hätte da schon was grob geplant und will unbedingt noch vor Jahresende was raushauen. Und ich glaube das schaff ich auch 🙂

      Liebe Grüße und stay tuned,
      Mad

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