Weil du selbst der Schlüssel bist!

Geduld oder das Puzzle des Lebens

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Dez 17, 2014 Selbstfindung 6 Kommentare

Ungeduldig klopfen meine Fingerspitzen auf die Tischplatte. Ich sitze an meinem Home Office und warte. Bin nervös und kann es kaum erwarten. Noch ein paar Tage, dann weiß ich, ob meine Idee zu einem neuen Arbeitsprojekt gut gewesen ist oder wieder einmal nur eine Seifenblase,

ein griff ins Leere,

das falsche Teilchen für das Puzzle, das ich eigentlich basteln will:

Mein Lebenspuzzle.

Geduld gehört nicht unbedingt zu meinen Stärken.

Als sie verteilt wurde, muss ich offenbar gerade geschlafen haben.
Sonderbarerweise gibt es aber eine Sache, bei der ich eine Engelsgeduld aufbringen, jegliches Zeitgefühl verlieren und mich ganz und gar darauf einlassen kann: das Puzzeln.

Das ist fast wie eine Art Meditation für mich.

Ich sitze stundenlang, sortiere kleine bunte Teilchen und überprüfe die möglichen Plätze, um das Bild zu vervollständigen und es irgendwann in seiner Gänze erkennen zu können.

Für mich gibt es keinen besseren Vergleich:

Das Leben ist wie ein Puzzlespiel.

Du erhältst zu Beginn eine große Schachtel mit ganz vielen Teilen und hast keine Ahnung, was einmal daraus werden soll. Du weißt nur eins: am Ende soll es ein Bild ergeben. Wenn möglich ein schönes und großes und eines, das dich erfüllt, wenn du es betrachtest.

Der einzige Unterschied im Leben zu einem richtigen Puzzle ist dieser: vor der Übergabe hat jemand die Vorlage am Deckel überklebt und so hast du keine Ahnung, wie das fertige Bild aussehen soll. Du kannst nicht schnell mal nachschauen, in welche Ecke die dunklen Teile gehören oder ob die saftig grünen Teilchen nun oben oder unten anzuordnen sind.

Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon verzweifelt versucht habe Teile meines Lebens so anzuordnen, dass sie stimmig sind, bis ich irgendwann bemerkt habe, dass ich an einer komplett falschen Ecke versucht hatte, sie einzufügen.

Ich war Kindergärtnerin, weil ich Kinder mag. So lange, bis ich festgestellt habe, dass mir eigene lieber sind als fremde.
Also bekam ich vier eigene und war Mutter. Bis ich bemerkt habe, dass es nicht meine Aufgabe ist, mich aufzugeben und 24 Stunden Mutter zu sein und mit Bausteinen zu spielen.

Danach machte ich eine Ausbildung zur Webdesignerin. Bis ich erkannt habe, dass es viel zu viele gibt, die das besser können als ich.
Vor einigen Jahren wurde ich aus meinem spirituellen Dornröschenschlaf geweckt und sah hier den Sinn meines Lebens. Alle anderen Lebenspuzzleteile erschienen mir plötzlich farblos und unwichtig, bis ich gelernt habe, dass man nicht einfach ein paar Teile weglassen kann, nur weil sie einem plötzlich nicht mehr gefallen.

Erst in dem Moment, in dem ich mich hingesetzt habe, alle verfügbaren Puzzleteile ansah, sortierte und geduldig die passenden zusammenschob, ergab sich ein Gesamtbild. Plötzlich konnte ich alles sein: spirituelle Webdesignerin, von zu Hause aus arbeitend, damit genug Zeit für die Kinder bleibt.

Puzzlespielen erfordert Geduld. Du kannst nicht erzwingen, dass es schneller geht. Ebenso ist es im Leben: egal, wie sehr du dir wünscht, dass Teile zusammenpassen, und versuchst, sie ineinander zu stecken – es funktioniert nicht.

Solange ich blind einen Teil neben den anderen gelegt hatte, ergab sich kein Bild, sondern nur einzelne Fragmente.

Manchmal sind sich Situationen, genauso wie Puzzleteile, sehr ähnlich und man denkt, man wüsste schon, wo und wie das alles zusammenpasst. So erging es mir mit meinen Beziehungen. Ich lernte einen Mann kennen, heiratete ihn und bekam 2 Kinder. Wir brauchten 7 Jahre um festzustellen, dass unsere Übereinstimmungen nur oberflächlich so aussahen, als ob sie zusammengehörten.

Heute weiß ich:

Zusammengehörige Teile fügen sich nahtlos und ohne Anstrengung zusammen, ohne dass man ein Stückchen abschneiden oder etwas verbiegen muss.

Als ich meinen jetzigen Mann kennenlernte, fügten sich nicht nur zwei, sondern mindestens 200 Teile meines Lebenspuzzles mit dem seinen zusammen, ohne Anstrengung, ohne Gewaltanwendung und plötzlich war dieser Abschnitt klar ersichtlich.

Das ist jetzt 17 Jahre her und seither bauen wir an unserem gemeinsamen Bild – ein größeres und farbenprächtigeres als ich es alleine imstande wäre.

Ich bin zwar durch diese Erkenntnisse nicht geduldiger geworden, aber gelassener.

Das ist ein großer Unterschied, denn noch immer presche ich mit einer Idee nach vor, möchte sie lieber gestern als morgen umgesetzt haben, kann es nicht erwarten, ob ein Projekt sich als erfolgreich herausstellt oder ein freudiges Ereignis endlich eintritt (manchmal frage ich mich, wie ich vier Schwangerschaften überlebt habe, ohne vor Ungeduld zu sterben).

Aber ich bin gelassener dabei geworden.

Ich lasse meine Ungeduld zu, ich werde nicht gleich hysterisch, wenn etwas nicht auf Anhieb passt.

Weil ich mittlerweile weiß, dass ich dieses eine Teilchen einfach nur drehen oder ein anderes Plätzchen dafür suchen muss.

Die Quintessenz ist nämlich nicht, dass es nicht passende Teile gibt, sondern sie nur woanders hingehören.

Jeder Teil deines Lebens gehört zu dir dazu, keiner ist zu viel, keiner fehlt. Es sind alle da, davon bin ich überzeugt.
Es geht nur darum, sie an den richtigen Platz zu bringen und dort richtig herum einzufügen.

Dann ergibt sich irgendwann ein stimmiges Gesamtbild. Wenn man das verinnerlicht hat, löst sich auch die Ungeduld auf, es endlich richtig machen und fertig stellen zu wollen.

Denn eigentlich wissen wir es ja alle: Ist das Lebensbild fertig, ist es vorbei. Dann ist es Zeit zu gehen.

Tja, und ruft man sich das ins Bewusstsein, hat man es auf einmal gar nicht mehr so eilig, alle Teile an ihren Platz zu bringen.

Es geht nicht um Schnelligkeit, es geht um Stimmigkeit.

Und diese Worte habe ich mir nun wieder vor Augen geführt.

Immer noch sitze ich an meinem Schreibtisch im Home Office, doch meine Fingerspitzen klopfen nicht mehr. Denn ich weiß, ich kann die Zeit nicht beschleunigen, nur weil ich hier ungeduldig herumklopfe.

Ich habe getan, was ich tun konnte und werde tun, was ich tun kann.

Ob die Teile wirklich an ihrem Platz liegen und das Bild nicht nur für mich passend ist, sondern auch anderen gefällt, wird sich zeigen.

Ob meine Arbeitsidee aufgehen wird, liegt nun nicht mehr in meiner Macht.

Sie ist nur ein kleines Eckchen meines Lebenspuzzles, aber ein für mich wichtiges. Ich wünsche mir Erfolg damit, denn ich habe lange daran gesessen, alle Teile an ihren richtigen Platz zu bringen. Ob ich wieder irgendwo versucht habe, Teile hineinzupressen, wird die Zeit zeigen. Ob ich damit Erfolg haben werde oder mal wieder alle Teile auseinandernehmen und von vorne beginnen muss, kann ich jetzt nicht beurteilen – es ist auch nicht wichtig.

Wichtig ist alleine, dass es sich jetzt stimmig anfühlt, das Bild, und dass man weiterpuzzelt, nicht aufhört Teilchen um Teilchen einzufügen, im Bestreben das komplette Puzzle irgendwann fertig zu stellen.

Und dass man es selbst schön findet und es einen zu erfüllen weiß, wenn man es betrachtet, egal, ob es nun vollständig ist oder nicht.

Immerhin sind wir hier, unser ganz eigenes Lebenspuzzle zu erstellen, wie es am Ende aussieht, wird wohl seinen ganz eigeen Grund haben – auch wenn wir ihn jetzt noch nicht erkennen.

Und ich bin überzeugt, dass wir das Endbild vor unserer Ankunft hier auf Erden ausgewählt haben.

Hoffen kann ich nur, dass meines ein schönes und großes wird und dass ich es irgendwann erkennen kann, das Bild – sobald es fertig ist. Bis dahin heißt es gelassen sein und wenn mal etwas nicht so ist, wie es sein soll – nur Geduld, es wird sich schon zeigen!

 

Das ist ein Gastbeitrag von Bettina von www.hat-chi.at, der im Rahmen einer Blogwichtel-Aktion entstand. Insgesamt haben sich 27 Blogger zur Adventszeit gegenseitig mit Beiträgen beschenkt.

 

Titelbild: r. nial bradshaw

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Bettina, provokante Motivationsbloggerin mit Hang zum Größenwahn, Autorin, spiritueller Coach für Seelenwege. Ehrlich, frech und mit schrägem Humor. Ich schau mir die Welt gern aus anderen Perspektiven an. Immer interessiert an neuen Kontakten und spannenden Projekten. Außerdem Webdesignerin, Kursleiterin, Reisebloggerin und Ideenheldin.

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Kommentare

  • Sabine von Ferngeweht
    Dez 18, 2014 at 12:41 Antworten

    Liebe Bettina, was für ein schöner Beitrag! Und Du hast so Recht: Alles im Leben fügt sich irgendwann zum großen Bild zusammen, nichts, was man je gemacht hat, war vergebens. Danke für dieses Puzzlebild!

    1. Bettina Kalandra
      Jan 9, 2015 at 14:41 Antworten

      Danke Sabine für dein Lob und deine Worte – denn auch jede Begegnung, ob virtuell oder ral, ist ein Teil des großen Gesamtbildes. 🙂

  • Adriano Elia
    Jan 5, 2015 at 18:36 Antworten

    „Das Puzzle des Lebens werden wir erst ganz verstehen, wenn es längst fertig ist. Vielleicht mag es dann zu spät sein, aber das ist völlig egal. Unser Leben bleibt nicht weniger lebenswert, nur weil wir die Puzzleteile erst noch zusammensetzen müssen. Das macht es doch gerade so spannend – Wir wissen nicht, welches Puzzleteil sich geschmeidig als nächstes in unseren Weg einfügt.“

    Großes Lob auch von mir, ich wurde direkt inspiriert, dankeschön 🙂

    1. Weltenstürmer Mad
      Jan 7, 2015 at 19:04 Antworten

      So soll es sein, Adriano! Auch meinerseits nochmals an dieser Stelle ein großes Lob an Bettina. Ein sehr schöner und insprierender Beitrag.

      Viel Erfolg dir und stürme die Welt mit deinen Träumen,
      Mad

      PS: Sehr schöne Fotos in deinen Beiträgen, den Blog muss ich mir mal genauer ansehen!

      1. Adriano Elia
        Jan 21, 2015 at 0:53 Antworten

        :), kann aber leider noch nicht mit euren super gestalteten Seiten mithalten :/

    2. Bettina Kalandra
      Jan 9, 2015 at 14:43 Antworten

      Wow, danke dir für deine Antwort. Ja, ich finde auch, dass es egal ist, ob wir vorher schon wissen, wo etwas hinpasst (auch wenn es manchmal leichter wäre) – das macht das Spiel hier auf Erden ja so spannend.
      Liebe Grüße
      Bettina

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