Weil du selbst der Schlüssel bist!

Ein Freund

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Sep 7, 2015 Inspiration, Selbstfindung 0 Kommentare

Ich habe da so einen Freund, den ich bereits seit 10 Jahren kenne. Immer wieder hatten wir Kontakt, trafen uns und erzählten uns vom Leben, doch seit nun fast zwei Jahren hatten wir uns nicht mehr gesehen und uns kaum geschrieben. Ich wollte wissen wie es ihm ginge und manchmal, da habe ich mir vorgestellt, was aus ihm geworden ist.

Habe mich gefragt, wie er das Leben bestritt, wie er ihm, dem Leben, entgegentrat.

Denn er hatte immer etwas, was ihn antrieb neue Dinge zu versuchen. War in dieser Hinsicht Vorbild für mich, etwas Neues zu wagen, ich selbst zu sein und meine Träume zu verwirklichen. Und vor allem groß zu träumen.

Mein Freund war ein Fantast, ein Träumer und ich war mir sicher, dass er irgendetwas auf die Reihe bekam. Er musste nur dranbleiben, den Fokus nicht verlieren und weiterträumen. Denn ich wusste, dass er sich nicht leicht zufrieden gab, dass ihm ein Leben im Hamsterrad nicht genügte.

Und dann habe ich ihn gestern endlich wieder getroffen und schon gleich fiel mir auf, dass alles anders war.

All die Eigenschafen von früher, wo waren die hin?

Wo waren seine Ambitionen die Welt zu erobern, etwas zu machen aus seinen Träumen? Etwas anders zu machen als seine Eltern und die Generationen davor? Unabhängig zu sein? Ohne Arbeitgeber, mit seinem Leben in der eigenen Hand?

Wo war der Typ von früher? War denn das alles nur spätpubertäre Rebellionszeit, alles nur eine Phase?

Sogar seinen Vegetarismus hat er beim Mittagessen mit paniertem Putenschnitzel verabschiedet, zusammen mit seinen Träumen auf Reisen zu sein und vom Schreiben zu leben.

Und ja, ich wusste von seinen Versuchen, wusste, dass sie nicht gefruchtet hatten: Seine ersten Schritte in die eigene Existenz gingen schief; seine Anstrengungen zum Schriftsteller blieben unbelohnt.

War das der Grund?

Ging ihm nach zwei halbherzigen Versuchen schon der Atem aus?

Im Gegensatz zu früher, wirkte er nun entspannter, so als hätte er etwas gefunden oder vielleicht nur etwas losgelassen?

Vielleicht seine Träume?

Er wirkte souverän, leicht, abgeklärt, ja wirkte beinahe glücklich wie er jetzt vor mir saß, mit seiner Freundin im Arm.

Immer mehr beschlich mich der Verdacht, dass ihm nun etwas fehlte im Vergleich zu mir.

Und zwar fehlte ihm das Entscheidende, es irgendwann doch noch zu schaffen mit den eigenen Träumen und dem eigenen Lebensentwurf.

Ihm fehlte das Getrieben sein, dieser unbändige Wille es in ein alternatives Leben schaffen zu wollen, eben dieser unstillbare Hunger nach Mehr, der mich Tag für Tag begleitet.

Na ja, genaugenommen fehlte ihm nichts. Denn er schien ja zufrieden, schien angekommen, schien zufrieden gestellt, so wie er jetzt vor mir saß.

Er trat in die Welt und ihm genügte sie wie sie war.

Oh, der Glückliche! Was für Leid ihm alles erspart bleiben wird – vorausgesetzt er wacht nicht irgendwann mit 50 auf und findet sich in (s)einem verpfuschten Leben, gefangen in der Einfalt eines ausweglosen Alltags, mit einer drängenden Stimme im Kopf, ob es denn das jetzt gewesen sei mit seinem Leben, und ob er denn den Rest davon genauso absitzen müsse. (Eine Angst, die mich manchmal befällt.)

Keine Ahnung, was seit unserem letzten Treffen passiert war, doch ich vermute, er hatte aufgegeben, hat seine Träume verraten, sie als realitätsferne Spinnereien abgetan und ist in die Biederkeit eines Normalo-Lebens geflüchtet, mit 9to5-Job, mit Freundin, mit Plänen für ein Auto und ein Eigenheim. Ja, er redete sogar von der großen Liebe, dem Verkauf seines Motorrads und dem Urlaub machen irgendwo in Italien.

Alles in mir schrie Spießer, Verräter, ja gar Verlierer bei diesen Worten.

Denn seine früheren Träume hatte er beiseite gekehrt, seine Lebenspläne verworfen. Wo waren sie hin, seine Sehnsüchte in die Fremde zu stürmen, seine Träume einen anderen, alternativen Weg zu meistern, die Welt mit Backpack zu umrunden? Wo war der Wunsch der Welt seinen Stempel aufzudrücken? Wo sich an ihr sattzusehen? Wieder und immer wieder?

Und genau dieser Umstand, irgendwann mit eben solchen Aussichten auf ein Normalo-Leben dazustehen, spornt mich wieder einmal umso mehr an, es ihm und allen anderen mit den gleichen Lebensvorstellungen auf keinem Fall gleich zu tun – auch wenn ich nicht weiß, was kommt.

Denn ich will nicht auf vorgezeichneten Pfaden wandern,

nicht den abermillionenfach getesteten Lebensentwurf von einem Eigenheim mit Kombi in der Einfahrt. Ich will nicht einen Gutbürger miemen (müssen) und irgendwo mit meinen zwei Wochen Sommerurlaub an einem vollgestopften Strand enden. Aufgereiht wie in der Sardinenbüchse und mit Frau und Kind daneben.

Nein! So will ich mein Leben nicht verkommen lassen.

Noch nicht zumindest, denn einen Ausweg habe ich parat.

Vielleicht aber, ist mir dieser Altersgenosse auch einen Schritt voraus, und vielleicht ist die Resignation der Träume ja der eigentliche Sieg – vielleicht ist das Aufgeben von Wünschen der Gewinn von absoluter Freiheit?

Vielleicht hat der Buddhismus ja doch recht und das Loslassen aller Wünsche führt in die vollkommene Befreiung?

Und wenn schon, ich will das noch nicht einsehen, denn die Aussichten, die damit folgen würden, wären erschreckend und für mich nicht tragbar.

Jedoch strebte ich genau nach dem, was mein Freund mittlerweile gefunden zu haben scheint, strebe nach dem einen Gefühl endlich angekommen zu sein. Endlich versöhnt, endlich zufrieden. Ich weiß nur noch nicht genau wie, aber dass es irgendwann soweit sein wird, das schon.

Und so war das Treffen trotz meiner gänzlich anderen Erwartungen mit ihm eine große Bereicherung. Denn wie verschieden wir jetzt auch sein mögen, so hat er mich was gelehrt. War in gewisserweise Ansporn, dass ich meinen Weg nicht abbreche, egal was ich will, egal wonach ich strebe. Doch mehr war er nicht.

Kein Vorbild, kein Leitbild.

Aber ein Freund.

Weltenstürmer Mad

Bild: Fovea Centralis

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