Weil du selbst der Schlüssel bist!

Du und die gerissene Saite in mir

Von

Dez 25, 2014 Geschichten, Selbstfindung , , 0 Kommentare

Immer dann, wenn ich die Augen schließe bist du da, so lebendig als wärest du bei mir und ich bei dir. So herzzerreißend, wie du mir durch die verschmutzte Scheibe des Busses zugewinkt und zugelächelt hast, während gleichzeitig etwas in mir gerissen ist – eine Saite meiner Gitarre des Lebens, auf der ich so gerne das Lied des Glücks spielen wollte, aber bei der mir nun diese eine Saite fehlt, um die hochschwingenden Töne anzuschlagen; um es ganz spielen zu können, das Lied des Glücks in meinem Leben.

Und als ich einige Stunden später das Valium genommen habe, da träumte ich pausenlos von dir und von uns und davon, was wir hätten sein können. Lag in einem kräftezehrenden Delirium, schwebend zwischen Realität und Traum, und in den Wachphasen, da wusste ich nicht mehr, was wahr war und was nicht und bin sogleich wieder in den nächsten gefühlsbeladenen Traum von dir geglitten.

Bilder, farbenfroh und weichgezeichnet, leuchten vor meinen Augen auf.

Ich erinnere mich an einiges, aber nicht an alles.

Nie an alles.

Nie wieder an alles, damn!

Und das wäre auch okay, damit käme ich schon klar irgendwie, wäre es nur das.

Aber da ist noch mehr, denn du wirst dauernd weniger.

Weniger bildhaft, weniger echt, weniger in mir.

Du entschwindest mir und ich kann hier nichts dagegen tun.

Ich bin an jedem Ort, an dem ich auf meiner Reise mindestens einen Tag verweilt habe, lange vor dem Computer gesessen. Auch vor dem Smartphone, mit Mauszeiger oder Finger über dem Buchungsbutton. Und noch länger habe ich darüber nachgedacht, wieder zurück nach Hanoi zu fliegen. Zurück zu dir. Zurück zu uns und der herzzerreißenden Herzlichkeit, die mich damals zu Tränen gerührt hatte, als ich aufgebrochen war.

Aber ich habe es nicht getan und bin nicht zurückgekommen.

Und obwohl es schmerzt, das zu sagen, glaube ich, dass es die richtige Entscheidung war, den Abenteuern den Vorrang zu geben. Denn irgendwie war das Timing falsch.
Und es ist nun mal so, wenn ich zurückkäme, würde nichts mehr dasselbe sein. Der Reiz des Neuen und Unbekannten, das Knistern des Zweifels ob wir einander Begehren – all das würde weg sein.

Oder wäre es etwas anderem gewichen? Inniger Liebe vielleicht?

Ich weiß es nicht.

Das aber was ich weiß, ist für mich schwer zu verkraften, denn auch wenn ich dir jetzt noch nachweine, so ist es unbestreitbar:

Das Bild von dir in mir verblasst.

Mit jedem weiteren Ort und Abenteuer, mit jedem weiteren Mädchen, mit der Zeit und bald wohl auch mit der Distanz, die zwischen uns liegt und dem grauen Alltag, sobald ich wieder voll drinnen bin in meinem vorherigen Leben.

Verwässert.

Irgendwann wirst du nur mehr eine laue Erinnerung sein, ein mir fremdes Mädchen, das ich mal gekannt habe und beim Namen nennen kann, wenn ich ein Bild von dir sehe.

Ein schönes Mädchen, wovon ich einige gemeinsame Fotos habe, die bezeugen, dass wir uns einmal getroffen haben.

Ein herzbewegender Mensch, der wohl bald nichts mehr bewegen wird in mir.

Ein verwässertes Bild, bloß in meinem Kopf.

Und das ist eigentlich schade, denn du hättest viel viel mehr sein können.

Du hättest die Welt sein können, die auf mir ihre Spuren hinterlässt.

Du hättest der Grund sein können, weswegen ich jeden Tag lächelnd aufstehe.

Hättest meine Frau sein können, die ich liebe und mit der ich all die Länder dieser Welt entdecke.

Hättest meine Muse sein können, mein fehlendes Puzzleteil, mein Warum, mein Lebensglück.

Aber letztendlich bist du nichts von alledem.

Denn das Timing passte nicht.

Und deshalb bist du nur eine verblassende Erinnerung in meinem Kopf und eine dir unleugbar fremde Persönlichkeit einer der beiden Hauptcharaktere meiner vielen Tag- und Nachtträumereien von was hätte sein können – dort sein können, wo ich glaube, dass mir jetzt eine Saite fehlt, um das Lied des Glücks in meinem Leben spielen zu können.

Ich weiß noch, wie wir auf der Bank im Travel Office gesessen haben und wie du meine Handfläche sanft gestreichelt hast, als du aus ihr die Zukunft zu lesen versucht hattest.

Das war der Augenblick, in dem ich mich verliebte.

Es kam mit jener plötzlichen Heftigkeit wie eine Faust, die einen mit voller Wucht trifft. Nur schmerzte es nicht, sondern erfüllte mich. Deine Berührungen, deine Nähe, dein Anblick, einfach alles, was du bist.

Und ich weiß noch, wie ich dir schelmisch dein Haar verwusselt habe, als wir so erfrischend kindlich herumgeblödelt und laut gelacht und uns dann tief in die Augen geschaut haben, wartend, bis etwas passiert. Und wie dann dein Arbeitskollege vorbei gekommen ist und du mir keck auf die Schenkel geklopft hast und mit breitem Grinsen wieder hinter deinen Computer marschiert bist.

Und wie wir uns etwas versprochen haben. Mit Pinky swear and thumb touch. Ein Herz mit unseren Händen bildend, ein unbrechbares Versprechen nuschelnd, während wir uns tief in die Augen blickten und so nahe beieinander saßen wie es nur Liebende machen.

Nur was wir uns versprochen haben, das weiß ich nicht mehr – so, wie vieles von uns, in dieser kurzen Zeit.

Und die Gewissheit, dass ich immer mehr vergesse schmerzt.

Sehr sogar.

Sad Mad in his office

Ich schreibe dir noch auf Facebook und du schreibst auch zurück – ein kläglicher Versuch etwas zu bewahren, das bereits am Entschwinden ist.

Denn es sind nur irgendwelche Worte.

Worte, geboren aus dem Verstand, die deine Vorstellungen in mir weitertreiben. Weg von dem echten Du, hin zu einem Mädchen, das dir eigentlich fremd ist.

Und ich zähle die Stunden ab, um zu wissen, welche Uhrzeit es bei dir gerade ist, um dir ein Bild von mir zu senden und dann stelle ich mir vor, was du gerade machst und ob du dort bist, wo ich dich zum ersten Mal getroffen habe und wie es dir gerade geht und ob du immer noch so unbeschwert und lebensfreudig im Hostel bei deiner Arbeit sitzt.

Aber das sind nur Vorstellungen.

Weitere Vorstellungen in meinem Kopf.

Ich würde am liebsten schreien, laut und wild und all den Schmerz aus mir hinaus. Aber nein, das geht nicht. Denn mir fehlen die Töne, fehlt diese eine Saite – und ohne ihr bin ich zu labil. Bin zu unrund, bin zu zerrissen.

Fuck, ich würde hier gerne klar kommen ohne dich. Aber das geht irgendwie auch nicht.

Denn, wenn ich alleine bin, dann sinniere ich von dir und uns und wie es hätte verlaufen können, verlaufen sollen, verdammt!

Ich wollte leben, wollte lieben, wollte glücklich sein.

Und all das möchte ich immer noch mit dir.

Aber was soll ich machen? Hier bleibt mir nicht einmal die Erinnerung von dir, denn ungewollt mischt mein wirrer Geist Erinnerung, Erfahrung und Sehnsucht zu einem anderen Du – nur existent in meinem Kopf.

Und jetzt frage ich mich, was wohl bleiben wird von dir in mir.

Und dann habe ich das Verlangen dich festzuhalten, so wie du warst, in echt: raw und ungefiltert und voller Lebensfreude und Herzlichkeit.

„Alles, wovon du träumst, wird bald wahr werden“,

hast du mal gesagt.

Und, wenn ich diese Worte in mir abrufe, steigt der Gedanken in mir auf, ob ich nicht irgendwann im nächsten Jahr zurückkommen soll, denn ich träume ja von uns und unserem gemeinsamen Glück und außerdem habe ich bei dir auch diese eine fundamentale Sache zum Glücklichsein verloren:

Die hochschwingende Saite meiner Gitarre des Lebens.

Zu Weihnachten habe ich mir eine gewünscht, eine Gitarre, meine ich, und wie es nun einmal mit Wünschen ist, muss man sich selbst darum kümmern, sie wahr werden zu lassen.

Also habe ich mir eine bestellt und gestern lag sie unter dem Weihnachtsbaum.

Nun spiele ich auf ihr, doch ich kann es nicht. Bin nämlich noch am Lernen, ein bloody beginner, ein Anfänger eben.

Aber bald werde ich darauf Lieder spielen und ich glaube, dann werde ich auch wieder diese eine Saite gefixt bekommen, die mir damals gerissen ist, als wir uns das letzte Mal durch die verschmutzen Scheiben des Busses zugelächelt haben, und dann spiele ich endlich auf jener Gitarre in mir drinnen das Lied des Glücks für mich, und ich verspreche auch für dich und für jeden den ich treffen werde, auf meiner Reise ins Ungewisse – aber hin zum Kern dessen, was mich und dich ausmacht: ein empfindsames Herz voller Liebe.

…und vielleicht dann auch wieder zurück zu dir.

Ja, I pinky swear and thumb touch, eines Tages im nächsten Jahr zurück zu dir und deinem echten Du, in das ich mich verliebt habe, und dann vielleicht, wenn das Timing stimmt, auch zu dem, was wir schon damals hätten sein können:

Glücklich zusammen und das bestimmt für immer.

 

 

Weltenstürmer Mad

 

 

 

 Titelbild: Stephanie Toms

The following two tabs change content below.

Hallo, ich bin Mad und der Typ hinter dieser Seite.
Ich bin überzeugt davon, dass wir alle ein Leben in Fülle, Freiheit und Glück führen können. Wir müssen uns nur dafür entscheiden und bereit sein auch etwas dafür zu tun – und deshalb gibt es weltenstuermer.de.

Neueste Artikel von Weltenstürmer Mad (alle ansehen)


Hinterlasse einen Kommentar, ich freue mich darauf!

Like Weltenstürmer auf Facebookschliessen
oeffnen