Weil du selbst der Schlüssel bist!

Die Wahrheit: Du und ich im herzzerreißend herzlichen Hanoi

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Nov 10, 2014 Geschichten, Selbstfindung , 2 Kommentare

Ich wünschte die Wahrheit wäre so schön wie in der letzten Geschichte beschrieben.

Aber das ist sie nicht.

Und das, was ich jetzt erzählen will, ist die Wahrheit. Warum, frägst du dich wohl. Nun, ganz einfach, weil ich glaube, dass sie, obwohl sie weitaus nicht so schön ist, ein Recht hat, gehört zu werden.

Und es fällt mir wirklich schwer das zu tun, sie öffentlich zu machen, die unschöne Realität, aber ich muss.

Ich will auf Weltenstürmer authentisch sein, will zeigen, dass es im Leben nicht immer so läuft, wie erhofft und dass manches alles andere ist als zauberhaft.

Nun also die wahre Geschichte von dir und von mir im herzzerreißend herzlichen Hanoi:

Es war der Abend meines zweiten Tages in Hanoi und ich hatte immer noch keinen Anschluss zu anderen Reisenden gefunden. Zuhause bin ich das nicht gewöhnt, den ersten Schritt zu machen, das Auf-andere-Leute-zugehen und das Aus-sich-selbst-herauskommen und so war ich dementsprechend verschlossen, schüchtern und gehemmt.

Auch fehlte in meinem Hostel ein Gemeinschaftsraum und die Dormrooms waren alle schon voll und so hatte ich wohl oder übel ein Einzelzimmer gebucht – alles schlechte Bedingungen, um andere Leute kennenzulernen.

Sorgen und Zweifel machten sich in mir breit.

Was ist, wenn ich wirklich keinen Anschluss finde hier?

Was, wenn ich die ganze Reise lang alleine bin?

Und was, wenn ich kein großes Abenteuer erlebe, so, wie Zuhause erhofft?

In einer Bar habe ich einige Biere getrunken, um mich von diesen angsterfüllten Gedanken abzulenken und bin dann zum Nachtmarkt rauf.

Die Straßen waren mit vielen bunterleuchteten Ständen gespickt und es herrschte reges Treiben und Feilschen.

Im wirren Durcheinander der Menschenmassen spülte es mich schließlich in die leere und hell ausgeleuchtete Lobby deines Hostels.

Kein Gast war vor Ort und ich beschloss mich an den Tresen zu setzten und vorerst mal ein Wasser zu trinken. Ich war nämlich schon leicht angetrunken, war auf der Suche nach Glück, Abenteuern und gleichgesinnten Reisenden und irgendwie geht das mit Alkohol leichter, finde ich.

Doch das Barmädchen sagte, es gäbe ein Gratisbier – und, komm schon, wer greift da schon nicht zu?

Ich habe dann mit den Barkeepern gequatscht und mit den Türstehern gelacht.

Aus einem Gratisbier wurden gleich drei und es wurde immer lustiger.

Mitlerweile hatten sich alle Angestellten der Lobby um mich versammelt und mit mir gescherzt.

Und dann bist du an die Bar gekommen – unerwartet und irgendwie zauberhaft, so, wie du dich zu mir gestellt hast.

Du bist ein Kind des Drachens, Nachkommin der Götter. Und du warst auch schon hier, bevor ich kam.
Doch siehst du anders aus, als in der letzten Geschichte beschrieben: Statt zwei Ponnytails, trägst du eine Bob-Frisur, anstelle der Schuluniform, die Arbeitskleidung des Hostels: ein schwarz-oranges Polohemd mit Jeans.

Aber du hast dieses Lächeln gelächelt, das ich so gerne irgendwann auch an mir sehen möchte. Ein authentisches, echtes Lächeln, voller Lebensfreude und Charisma.

Und du bist schön – die Art von schön, bei der man all seine Sorgen und Zweifel vergisst.

Bei zwei Nächten gäbe es eine gratis, hast du gesagt, während ich am fünften Bier sippte.

Ich trank, trank viel und dann immer mehr – so jedenfalls mein Gefühl.

Auch Spaß, den hatten wir – oh, und wie wir den hatten!

Du bist Rezeptionistin und für das Travel Office zuständig, hast du mir erzählt.

„Du kannst günstig bei uns buchen“, meintest du dann und so fragte ich um Infos zu Tagesausflügen an, während wir dabei wild flirteten.

Womanizer hast du mich genannt. Handsome man und Good Seller, falls ich mich noch recht erinnere.

Wir haben ausgemacht, dass, wenn ich zurückkomme von dem zu früh und zu teuer gebuchten Halong Bay Trip, wir etwas besonderes machen.

Keinen One Night Stand, das war uns zu gewöhnlich.

Ich sollte dann einen Single Room nehmen, nicht im Schlafsaal pennen, hast du gesagt und mich dabei lustvoll angeschaut.

Es gibt Blicke, die man einfach nicht anders deuten kann. Und das war einer davon.

Ich strahlte, war happy, wegen dir und den so offenherzigen Leuten hier.

Alle strahlten diese Herzlichkeit aus, die es einem leicht macht sich selbst zu öffnen und so haben wir noch einige Zeit herumgeblödelt und viel dabei gelacht.

Du hast oft geflunkert – warst lustig auf deine eigene Weise und ich wusste: Ich komme zurück!

Als ich dann nach den drei Tagen Ha Long Bay zurück gekommen bin, warst du nicht da.

Trotzdem checkte ich ein – in einen sauberen und neuen Dormroom in westlichem Standard. Ich wollte endlich Leute kennenlernen und ich hatte Zeit und keine Pläne. Wann hat man das schon? Meistens ist es umgekehrt.

Alle Tage hielt ich Ausschau nach dir und habe fast jeden in der Lobby gefragt, wann du wieder da wärst.

Nach einigen Tagen habe ich dich dann gesehen, wie du daßast, an deinem Computer im Reisebüro.

Alle Angestellten und meine Clique an Reisenden, die mich mit der typisch lockeren Art der Backpacker sogleich voll integriert hatte, wussten von uns, doch das war uns egal und wir scherzten mit ihnen darüber.

Du und ich, wir redeten viel und ich habe mir das Open Bus Ticket bei dir geholt.

Schließlich gingen wir zusammen in die hauseigene Disco im 5. Stock. Ich zeigte dir, wie man Billard spielt – Körper an Körper, meine Lippen an deinem Ohr.

Das war meine letzte Nacht in Hanoi. Und sie versprach ein großes Abenteuer zu werden.

Oh, wie ich mich gefreut habe, was noch folgen würde in dieser Nacht!

Doch ein Arbeitskollege von dir kam angerannt und redete nervös auf dich ein.

„Ich muss fort“, hast du gesagt und mich entschuldigend angelächelt.

Und dann bist du losgelaufen und hast all meine Hoffnungen von dir und von mir mitgenommen.

Ich wusste nicht, dass du wieder in die Lobby runter musstest, hattest du doch vor einer Stunde deine Schicht beendet und nichts dergleichen gesagt – schade, dort nachzusehen, fiel mir nicht ein.

Am nächsten Tag kamst du erst um 15:00 Uhr. Wir redeten dann und ich trank wieder dabei, wie immer begleitet von haufenweise Zigarettenqualm.

Wir haben so viel gemeinsam, stellte sich heraus.

Ich erzählte dir, dass ich einen Blog betreibe und Geschichten über Selbstfindung schreibe. Auch du liebst das Schreiben solcher Geschichten, hast du gesagt und gestrahlt und mir verraten, dass du gerade dabei bist einen Blog einzurichten.
Und dann kamen wir zu weiteren Gemeinsamkeiten wie Meditation und vegetarischem Essen.

Warum haben wir das nicht früher besprochen?, fragten wir uns beide und wollten noch viel mehr voneinander wissen.

Aber ich musste los.

Deine Kollegen brachten mir mein Gepäck und ich bezahlte noch das Essen und die Biere, die ich an diesem Tag hatte.

Dann hast du mir eine Telefonnummer zugesteckt.

„Ruf an, wenn du auf deiner Reise Probleme hast, wir helfen dir dann“, hast du gesagt und auf das Telefon des Reisebüros gedeutet.“Und komm zurück, irgendwann.“

„Lass uns heiraten“, sprüdelte es aus mir heraus.

„Wenn du wiederkommst“, hast du geantwortet und verschmitzt gelächelt dabei, während ich wirklich darüber nachdachte, ich, der eigentlich Ehe sinnlos findet.

Der Bus wartete bereits nur mehr auf mich und so jammerte der Fahrer wild gestikulierend in der Lobby.

Du und die Security habt ihn beschwichtigt und mir meine Tickets und Reiseunterlagen gegeben.

Dann umarmt ich noch alle und dich drückte ich ganz besonders fest an mich. Das gesamte Team und die Gäste waren so nett zu mir. Wir waren wie eine große, glückliche Familie. Ich hätte auf der Stelle weinen können – der Abschied war so herzzerreißend.

Aber irgendwo bin ich dann doch ein Mann und so habe ich sie zurückgehalten, die Tränen.

Saving face – das Gesicht wahren, während ich gleichzeitig das verliere, was ich so sehr mochte an diesem Ort und an dir: Die herzzerreißende Herzlichkeit.

Ihr seit sogar alle mit auf die Straße raus gekommen und habt fürsorglich mein Gepäck verstaut.

Du hast mir geflüstert, dass es deine private Nummer sei, die du mir zugesteckt hattest und ich habe dich nochmal an mich gedrückt und dir einen schnellen Kuss auf die Wange gehaucht.

Und im Nachtbus nach Ninh Binh lasse ich ihnen dann freien Lauf, den Tränen.

Und sie fließen und fließen und fließen und mir ist egal, wer dabei zusieht und ich frage mich, wie kann es sein, dass ich weine und dennoch irgendwie verdammt glücklich bin.

Glücklich darüber, dass ich so nette Menschen habe treffen dürfen.

Darüber, dass mir so viel Liebe wiederfahren ist, sodass es zu viel für mich war, dem kleinen Gefäß, das ich bin, und ich sogar dann noch im Hotel, ein paar Stunden später, mit schniefender Nase und verschwommenen Blick diese Zeilen schreibe, während draußen ein wilder Sturm tobt und ich einsam in der Dunkelheit hocke, verzweifelt den Zettel mit deiner Nummer suche, ihn nicht finde und dann eine Valium mit Whiskey schlucke und gebrochenen Herzens auf die Wirkung warte, um mich zu sanften Songs von Kodaline in den Schlaf zu weinen – das erstemal seit unglaublich vielen Jahren!

Ich vermisse euch nämlich alle und dich ganz besonders doll.

Ja, jetzt schon, bloß einige Stunden später. Und das, obwohl wir uns nicht einmal richtig geküsst haben. Du und ich. Im herzzerreißend herzlichen Hanoi.

Du und ich am Albern.

Du und ich am Albern im Travel Office des Hostels.

Das ist die Wahrheit.

Und, wie schon gesagt, sie ist nicht schön, aber so ist das eben in der Realität. Dinge laufen nicht ideal und manches im Leben ist ganz und garnicht zauberhaft.

Und auch wenn die Wahrheit scheiße ist, so hat sie dennoch das Recht gehört zu werden.

Aber genau deshalb brauchen wir solche Geschichten wie die eine.

Wundervolle Begebenheiten an traumhaften Orten. Happy Ends und verzaubernde Märchen.

Denn Geschichten sind es, die uns Mut verleihen, die uns inspirieren und helfen wieder Fuß zu fassen in einer Welt, die manchmal alles andere ist als perfekt.

Es sind Geschichten, die uns träumen lassen, die uns hoffen und weitermachen lassen.

Und obwohl ich die Wahrheit kenne, so glaube ich fest an diese eine Geschichte, von dir und von mir und davon, wie wir uns küssten, dort am See im letzten Licht der Sonne. Und wie ich mich dir vollkommen verbunden fühlte, dir, der Seelenverwandten, die du in meiner Erinnerung bist.
Die taffe Rebellin, das Kind des Drachens, die Nachkommin der Götter. Du, das große Abenteuer, mit der süßen Drachenbrosche, die mir Glück versprach und auch Glück brachte.

Ich glaube daran.

Denn es könnte doch sein, dass, wenn wir fest genug an eine Geschichte glauben, sie irgendwann für uns wahr wird und wenn es dann soweit ist, bin ich mir sicher, dass auch ich endlich dieses authentische und echte Lächeln trage, so wie du es in der Geschichte und ebenso in der Wirklichkeit getan hast, und nach dem ich mich jetzt so sehr sehne.

Weltenstürmer Mad

 

 

 

 

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Kommentare

  • Ildiko Varga
    Nov 12, 2014 at 14:43 Antworten

    So schön, wenn auch traurig. Aber das tolle ist ja gerade, dass einem so etwas passiert, wenn man unterwegs und nur ein klein wenig offen ist. Das sind wieder so diese Geschichten, für die man einfach nur dankbar ist, weil wie auch immer es letztlich ausgeht, etwas besonderes, spezielles passiert immer in einem selbst. Man verändert sich und vielleicht die Sichtweise auf das eine oder andere Problem, das einem vorher unmöglich erschien und jetzt plötzlich so unnötig.
    Ich wünsche dir jedenfalls, lieber Mad, dass du noch ganz viele solcher besonderer Erfahrungen machst. Denn dafür bist du ja „losgezogen“ 😉

    1. Weltenstürmer Mad
      Nov 14, 2014 at 3:05 Antworten

      Liebe Ildiko,

      danke für deine Worte und ja, du hast Recht, ich bin losgezogen, um viel zu erleben, dass es mich dann so tief berührt, hätte ich nicht für möglich gehalten. Und ich habe noch viel mehr erlebt, als dass ich alles hier posten könnte 😉 Mal schauen, was geht…

      Cheers,
      Mad

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