Weil du selbst der Schlüssel bist!

Die verlorene Insel des Glücks

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Feb 12, 2015 Geschichten, Inspiration, Selbstfindung 2 Kommentare

Ich denke noch oft zurück. Zurück an die ersten Jahre meines Lebens und an die ersten Jahre der Schulzeit, an diese Unbeschwertheit, die sie mit sich brachte und damit verhieß jeden Tag, auch die schwierigen, mühelos meistern zu können.

Es gab kein Limit, es gab kein Richtig oder Falsch im Leben, es gab nur Leben.

Von Wochenende zu Wochenende lebten wir, von einem Moment in den anderen und ja, auch vom Klingeln am Morgen, das uns an die Schulbänke fesselte, bis zu jenem Klingeln einige Stunden später, das uns wieder in die grenzenlose Freiheit entließ, von der wir herzukommen schienen.
Und seien wir mal ehrlich. Auch die nie ermüdende Prägnanz der Lehrer, mit der sie uns etwas in die Köpfe hämmern wollten, brach nicht unsere Unbeugsamkeit und Lebensfreude.

Und wenn auch der Schleier der Nostalgie über diesen Erinnerungen hängen mag und alles in ein warmweiches Licht zu tauchen weiß, so habe ich, wenn ich zurückdenke, ein Lächeln auf den Lippen, das sich echt anfühlt und mich gleichzeitig wehmütig stimmt.

Denn ich weiß, wir waren echt.

Wir trugen dieses lockere Lächeln in die Welt, um das uns die Erwachsenen so beneideten.
Schauten so albern, so leicht, so ungeniert dabei aus.
Waren frei, planlos und glücklich. Einfach so. Einfach, weil wir es waren.

Aber dann kam Jahr um Jahr in unsere Breiten geweht…

…und in unserem ekstatischen Feiern des Lebens merkten wir nicht, dass die monotone Welle der einengenden Gesellschaftsnormen an unsere Strände schwappte, stetig ein bisschen.

Sie riss den weißen Sand der Insel unseres Glücks fort, stetig ein bisschen – und jedes Mal gerade so viel, dass wir es nicht merkten.
Die wenigen, die es merkten, improvisierten sich ein Floß zusammen und trieben süß-fruchtige Fahnen hauchend mit raucherfüllten Segeln ihrem Ozean von Freiheit entgegen.

Und wir, die wir auf unserer schwindenden Insel blieben, ließen uns bereitwillig abholen vom laut raunenden Kapitalismusdampfer, der uns bunt funkelnd zu retten verkündete, und der uns gegen harte Arbeit und unablässigen Einsatz versprach uns hoch hinauf zu tragen.
Hinauf in schwindelerregende Höhen, zu seinem Äquivalent der verlorenen Insel, um uns dort mit Glück zu erfüllen, sodass wir gar drohen würden überzulaufen – fast wie am entschwundenen Strand unserer Kindheit.

Blind für das Wesentliche folgten wir ausgetretenen Pfaden, gingen sie mit der Motivation, irgendwann jenes Glücksgefühl zu erreichen, das wir damals auf der Insel vergessen hatten einzupacken.
Wir tauschten dabei unsere Einzigartigkeit gegen eintönige Uniformen und stiegen in die grauen Massen der ernst blickenden Gesellschaft hinab – um irgendwann glänzend und triumphierend lächelnd wieder daraus hervorzukommen. So jedenfalls der Plan.

Und nun sitzen wir da, im Vorlesungssaal, im Großraumbüro, im Urlaubsstau.

Sitzen in den Tretmühlen des Dampfers, um ihn selbst anzutreiben.

Schwitzend, hechelnd und mit Automatismus im Kopf und leerem Herzen. Sind allesamt geprägt vom Ideal irgendwann unsere Träume zu verwirklichen, im festen Glauben doch irgendwann vollkommen glücklich und angekommen zu sein – da oben in schwindelerregenden Höhen, über alles baumelnd und mit dem ehernen Gefühl von Glückseligkeit und innerem Frieden gekrönt.

Und hin und wieder, wenn ich so dasitze und mir, entgegen all unserer leistungsgesellschaftlichen Glaubenssätze, erlaube nichts zu tun und all das Chaos dieses Dampfers aus materiellem Überfluss, mit seinen Lichtern und grellen Farben, laut raunend und hell blinkend, um mich vergesse, dann wir in mir eine Stimme laut, die fragt, was wohl mit denen passiert ist, die nicht die vorgezeichneten Pfade betreten haben, sondern mit fröhlichem Getöse und improvisiertem Floß in die unbekannten Fernen gesegelt sind, alles hinter sich lassend, nur sich selbst nicht und ihr entrücktes, herzliches Lächeln.

Und dann wünschte ich, ich wäre auch da raus in die Ferne, wäre auch so ein mutiger Draufgänger gewesen wie die.

Ich wünschte, ich hätte früher erkannt, wohin uns dieser Dampfer zu tragen gedenkt.

Ich wünschte, ich hätte mich von der steten Welle der Konformität nicht weichspülen lassen, sondern dass ich mich mit jugendlichem Trotz gewehrt und rebellisch Fuck you geschrien hätte, während ich auf diesem brüchigen Floß in Richtung Glück segelte.

Denn eins weiß ich heute und es stimmt mich traurig und macht mich nachdenklich.

Und ich frage mich, wo ich falsch abgebogen bin auf meinem Pfad zum Glück und zu einem erfüllten Leben.

Und das einzige, was mich noch echt lächeln lässt, ist die Erinnerung an die Vergangenheit, an diese unbeschwerte Zeit auf unserer Insel des Glücks.

Denn damals als Kind, und teils noch in unserer Jugend, da wussten wir alles vom Leben, was es zu wissen gab, um glücklich zu sein. Und heute wissen wir alles andere, nur das nicht mehr.

Und in Anbetracht dessen haben alle Mühen hier den Sinn verloren; sind sinnlos und wertlos zugleich.

Und wir, auf dieser kräftezehrenden Suche nach unserem Glück, erkennen es im ganzen Chaos nicht.

Wir sehen es nicht, weil wir blind wurden von all dem materiellen Überfluss, der uns umgibt.

Wir sehen es nicht, weil uns dieser Narrendampfer schon so lange in eine falsche Richtung trägt.

Sehen nicht, dass unsere Insel des Glücks nicht irgendwo da draußen ist, hoch über allem schwebend und mit Müh‘ und Not schon irgendwie zu erreichen, sondern viel mehr hinter den gedachten Grenzen im endlosen Ozean in uns selbst, einladend und lebendig wie eh und jäh und wohl einfacher zu erreichen als alles andere hier im Außen.

Wir müssen uns nur ein Floß aus nach innen gerichteter Aufmerksamkeit improvisieren, uns bester Dinge raufbuxieren und uns treiben lassen, mit Beharrlichkeit, die unsere Segel bläht und etwas Mut als Antrieb, müssen mit geduldiger Freundlichkeit jeder Gedankenwelle auf unserem Weg begegnen und sie friedvoll vorbeiwandern lassen, den laut klimpernden und grell leuchtenden Dampfer aus unserem Blickfeld verlieren und nach vorne schauen, Richtung Horizont, dorthin wo wir frei und echt sein können, in den grenzenlosen Mitten unserer selbst.

Und wenn wir achtsam genug sind und dabei bewusst diesen Narrendampfer für einige Momente verlassen, dann schätze ich, wird uns schon bald wieder jenes kindliche Lächeln schmücken, das uns seit damals so gefehlt hat. Wird uns erfüllen und bunt und strahlend machen und uns in schwindelerregende Höhen tragen, sodass wir wieder albern, leicht und ungeniert sind, den Moment feiern und das Leben leben – genau so, wie wir es die ersten Jahre nach unserer Geburt an machten und bloß auf unserem Weg zum Erwachsensein irgendwie verlernt und irgendwo vergessen haben.

 

Mit diesen Zeilen will ich nun ein Projekt einleiten, das ich schon lange vor mir herschiebe und mit dem ich jahrelang vergebens liebgeäugelt habe, ich will mir selbst Mut machen um mich nach innen zu wenden und endlich täglich zu meditieren, denn ich glaube die Zeit ist reif, die innere Leere abgrundtief, der Schmerz betäubend groß.

Also packe ich es an, das tägliche Meditieren, und so stürme ich nun tapfer für einige Minuten meine vergessene Welt, den hoffentlich schönen und grenzenlosen und glückserfüllten Ozean in mir selbst!

 

Weltenstürmer Mad

 
Bild: jakerome

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Kommentare

  • Mischa
    Feb 12, 2015 at 19:42 Antworten

    Hi Mad,

    großartiger Text, danke!

    Wie du ja weißt, war ich ein halbes Jahr von diesem Narrendampfer komplett herunten. Und es ist genau das eingetreten, was du beschreibst. Diese Unbeschwertheit, dieses innerliche und äußerliche Aufjubeln. Dieses Gefühl, dass einen nichts stoppen kann.

    Wieder zuhause sehe und höre ich den Dampfer zwar deutlich, aber ich steige nicht mehr drauf. Ein bisschen was von seinen Wellen schwappt ab und an zu meiner Jolle. Aber auf der schaukele ich glücklich vor mich hin und bin froh, auf dem großen Dampfer nicht mehr der Smutje zu sein.

    Zum Meditation-Entschluss kann ich dir nur gratulieren. Da hat doch ausgerechnet heute mein Freund Afschin einen super Gastbeitrag geschrieben 🙂
    http://www.adios-angst.de/meditation/

    Liebe Grüße

    Mischa

    1. Weltenstürmer Mad
      Feb 13, 2015 at 13:33 Antworten

      Hey Mischa,

      schön dass du dich meldest! Ja, für deinen mutigen Entschluss beneide ich dich. Einmal aussteigen tut gut, wenn es dann noch ein solches Abenteuer ist, umso besser. Und bewusst den Alltag zu durchleben und einigen Narreteien unseres Systems fernzubleiben ist ein Weg, den ich auch einschlagen möchte. Mit Meditation zum Beispiel 🙂
      Den Beitrag lese ich mir auf jeden Fall durch, danke dafür!

      Liebe Grüße,
      Mad

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