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Danh, der coole Easy Rider aus Nha Trang

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Nov 21, 2014 Geschichten, Selbstfindung 4 Kommentare

In einem Cafè in Nha Trang sind wir zusammen gesessen und Danh hat mir die Reiserouten erklährt. Ich könnte nach DaLat und nach MuiNe, wenn ich will, auch nach HCMC oder weiter.

Ich bringe dich überall hin, wenn du willst“, hat er gesagt, „it’s up to you“, du entscheidest.

 

Worte, die das Leben persönlich hätte sagen können, und vielleicht hat es das auch getan, durch Danh.

Ich war mir nicht sicher, wo ich hin wollte und ob das etwas für mich ist, das Reisen auf dem Motorrad, aber all die Feedbacks und Fotos in seinem Buch waren zauberhaft.
Und so war ich dabei die drei Tage nach MuiNe zu buchen, doch nach dem Lesen eines weiteren Berichtes eines Italieners, schwenkte ich spontan über auf vier Tage nach HCMC.

„Why not?“, hat Danh gemeint und gelacht und ich willigte mit Handschlag ein – ja, so easy war das bei ihm, dem Easy Rider aus Nha Trang.

Am nächsten Tag, stand Danh bereits im Eingangsbereich des Hostels und wartete auf mich.

Er steckte mein Backpack in einen Plastiksack und gurtete es zusammen mit seinem bescheidenen Rucksack auf den Gepäcksträger seines Bikes. Mein Daypack wurde vorne auf den Tank geschnallt.

Und dann ging es los und ich klammerte mich so fest es ging an die Haltegriffe, weil Danh so sehr beschleunigte.

Ich habe mir Blasen abgegriffen vor Angst ich könnte vom Bike stürzen oder dass die Reifen irgendwie in einer Kurve die Haftung verlieren, weil wir uns so krass hineinlehnten.

Auch die Straßen mit all den Bodenwellen und Schlaglöchern trugen dazu bei und natürlich mein Outfit, das aus Flipflops, Jeans-Permudas und einem Tanktop alles andere als ideal war für einen Sturz bei 60 oder 70 km/h auf Teer- und Schotterstraßen.

Vietnamesische Straßen um Da Lat

Nach 10 Minuten hielten wir schon für den ersten Foto-Stop am Straßenrand, doch als ich die Kamera aus meinem Daypack geholt hatte, war keine Speicherkarte drin.

„Don’t worry“, hat Danh gesagt. „Du kannst sie gleich oben an der Tankstelle suchen.“

Und das tat ich auch. Nachdem ich alles aus dem Rucksack genommen hatte, war keine Hoffnung mehr da, sie zu finden und Danh blickte mich mitleidsvoll an.
Ich wühlte nochmals eines der Seitenfächer durch und da war sie dann – welch ein Glück!

Danh hat sich so sehr darüber gefreut, dass er euphorisch die Hände in die Luft schmiss und zu tanzen begann.

Wir klatschten uns jubelnd ab und ich ging zum Fischerdorf Fotos machen.

Fischerdorf bei Nha Trang, Vietnam

Mit der Zeit und durch die kindlich-leichte Art von Danh, wurde ich lockerer auf dem Bike und die angstvollen Gedanken von Was-Wäre-Wenn-Szenarien, die sich wie ein Film in Endlosschleife in meinen Kopf abspielten, wurden weniger und verebbten dann völlig.

Ich genoss es sogar, wie wir uns in die Kurven lehnten und wie schnell wir waren – ich hatte das Gefühl, wir waren die schnellsten auf der Straße, denn Danh fuhr ständig über dem erlaubten Tempolimit und wir überholten alle.

Mit breiten Smile habe ich die Landschaft betrachtet, während der Fahrt Fotos gemacht, mich eingecremt und die Hände von mir gestreckt und „Ich kann fliiiegen!“ geschrien – ein unvergesslicher Moment, der mich für kurze Zeit ehrfürchtig stimmte.

Wir legten viele Stops ein.

Da war die Kaffee-Ernte und eine Schnitzerei mit Hunden im Zwinger und einem angebundenen Affen, der Glück bringen sollte. Da war die Kakaoplantage und die Cashew-Nuss-Manufaktur und dann noch Pfefferplantagen mit grünen Pfefferkörnern an den Pflanzen.

Junge am Aussortieren von Laub und Stöcken auf der Kaffeeplantage

In der Zeit der Kaffee-Ernte muss die ganze Familie helfen.

Die Schulkinder, die am Straßenrand wanderten, winkten uns zu und wir ihnen auch.

Und in einem kleinen Dorf einer Minderheit haben wir lokale Spezialitäten genascht.
Ich wollte den mich umkreisenden Schulkindern eine bebackene Süßkartoffel oder Banane spendieren, aber sie waren zu scheu und starrten mich nur mit großen Augen und offenen Mündern an.

Danh begann einen Plausch mit den Betreibern des Marktstandes und dann ich ebenso.

Als wir wieder auf das Bike stiegen, da winkten sie mir zu und sagten „See you tomorrow, my friend“ und ich meinte: „Eher nicht, da wir nach Saigon fahren.“

Danh erklärte mir, dass das hier soviel wie bye bye hieße. Auf Wiedersehen.

Man sagt es einfach, auch wenn man weiß, dass man sich nie mehr wiedersieht.

Und ich musste lachen, weil es mir peinlich war, mich immer erklären zu wollen.

Dann fuhren wir in den Sonnenuntergang und ich machte viele Fotos davon.

Sunset in Lak Lake Easy Rider Tour Danh

Das ist eines davon.

Am Abend sind wir noch in der Rezeption des Hostels zusammengesessen und Danh erzählte von sich und von seinen Reisen durch Südostasien. Er war sogar schon in China mit seinem Bike und seit er seinen Pass hat, fährt er auch gerne nach Laos, Kambodscha und weiter.

Er hat viel gelacht und mir erzählt, dass sein Lebensmotto einfach glücklich sein sei.

Dafür braucht es keinen Grund,

meinte Danh.

„Wer lacht, der altert nicht“, hat er gesagt und gestrahlt.

Auf seinem Helm steht es sogar auch: lucky - glücklich.

Auf seinem Helm steht es sogar auch: lucky – glücklich.

Die erste Nacht waren wir im Home Stay bei Locals untergebracht und da ging es zu wie im Zoo mit permanenter Fernsehbeschallung. Ein Schwein grunzte, ein Welpe jaulte, während Kleinkinder schrien, Männer diskutierten und irgendwelche Telenovelas im Hintergrund simple Probleme zu Existenzängsten machten.

Wir rauchten noch eine Zigarette und dann legte ich mich schlafen.

„See you tomorrow“, habe ich gesagt und damit den Auftakt eines unserer vielen Insider-Jokes eingeleitet.

Danh entgegnete grinsend „Okay, see you tomorrow, good night.“

Doch das wurde keine gute Nacht, denn keiner von uns beiden schlief wirklich.

Unser Langhaus, wo Danh und ich zusammen mit einer vietnamesischen Bauernfamilie übernachteten.

Unser Langhaus, wo Danh und ich zusammen mit einer vietnamesischen Bauernfamilie übernachteten.

Als ich am nächsten Tag wach wurde, war Danhs Bett leer.

Ich ging zur Rezeption, 500 Meter weiter, um zu Duschen und Zähne zu putzen.
Und dort saß Danh und lachte bereits mit anderen Easy Ridern bei einem Glas Kaffee mit ganz viel Eis.

Er winkte mir zu, als er mich sah und wir gaben uns kollegschaftlich High-Five.

Nach dem Frühstück und dem Elefantenritt durch einem See, fuhren wir weiter in Richtung Süden.

Elefantenritt im Lak Lake

Ich und der Elefantenflüsterer auf seinem Elefanten.

Auf halber Strecke trafen wir zwei Mädels, die ich in Nha Trang kennengelernt hatte, und wir beschlossen zusammen weiter zu fahren.

Auch dieses Mal machten wir viele Stops.

Da war der Steinbruch an der Straße, in dem zwei Vietnamesen mit primitivsten Mitteln Steine teilten, da war eine Bambusbrücke zu einem kleinen Dorf der Minderheiten, ein Aussichtspunkt und die Wasserfall-Tour. Bei DaLat war die Seidenfabrik und die Produktionsstätte vom Wiesel-Kaffee, den ich übrigens aus ethischen Gründen nicht empfehlen kann!

Wiesel in Käfighaltung bei DaLat mit Zwangsernährung aus Kaffebohnen

Auf engstem Raum in Käfighaltung mit Zwangsernährung aus Kaffebohnen, welche die Wiesel müde und krank machen.

In DaLat schauten wir uns noch das Crazy House an und gingen dann ins Hotel.

Nach dem Abendessen verabschiedeten sich die anderen und Danh und ich gingen in einen Pub. Während er am Vortag noch lediglich zwei, mit viel Eis verwässerte, Biere getrunken hatte, hat er jetzt schulterzuckend „Why not“, gesagt und lachend zwei Whiskey ohne Eis bestellt.

Danh brachte mir einige Worte auf Vietnamesisch bei und wir witzelten mit anderen Locals über meine schlechte Betonung.

Ich lernte, wie man einem Mädchen sagt, wie schön sie sei und was „Ich liebe dich“ heißt – oh, wie viel Spaß wir hatten, als ich das Gelernte in die Praxis umsetzte!

Dann sind wir zum Markt gegangen und wir blödelten mit Locals herum.

Danh war für jeden Scheiß zu haben, war ein Kumpane, ein Gleichgesinnter, ein Freund.

Wir gingen alsbald wieder zurück ins Hotel und ich setzte mich noch in die Lobby, um ein Bier zu trinken und Mails zu checken.

Danh verabschiedete sich mit unserem Insider-Joke.

„See you tomorrow“.

„See you tomorrow, my friend.“, antwortete ich.

Der dritte Tag begann mit einem Frühstück in einem buddhistisch-taoistischen Tempelkomplex, der wie das Crazy House noch im Ausbau war.
Es versprach heiß zu werden an diesem Tag und da ich fast überall Sonnenbrand hatte, musste ich Longsleeve tragen, doch im Fahrtwind war es okay und angeblich sollte MuiNe nicht so weit entfernt sein, sodass wir um 17:00 Uhr dort wären.

Auch dieses Mal sollten wir viele Stops einlegen.

Wir waren in einer großen Pilzfarm mit vielen Gewächshäusern, die gefüllt waren mit herabhängenden Säcken mit Kautschugbaumsägemehl als Nährboden für die Pilze darin; wir hielten bei einem Straßenstand, der von Affen abgeerntete Mangobäume nebenan stehen hatte und wo gerade die Bedienstete getrocknete Bohnensamen aus den Hüllen stülpte.

Irgendwann kurz nach dem Mittagessen, stoppte Danh mitten im Nirgendwo.

Mitten in der Wüste machten wir Halt

Was machen wir hier?“, habe ich die Standartfrage gefragt und bin vom Bike gesprungen.

„Just one minute“, hat er gesagt.

Danh ging ans Handy und nach 10 Sekunden legte er auf.

Als wir wieder auf dem Bike saßen, sagte er merklich gefasst, seine Frau habe angerufen, denn seine 91-jährige Mutter war im Bad schwer gefallen und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

„Komm so schnell wie möglich nach Hause“, hat sie gesagt.

Doch Danh beteuerte pflichtbewusst, er kann nicht, muss noch einen Tag weiter Richtung Süden fahren, mit mir die Tour nach Saigon beenden.

Ich war perplex.

Auch im Paradies scheint nicht immer die Sonne?!

Was machen wir jetzt?, habe ich gedacht.

Dont worry“, hat Dahn entgegnet, ohne mich zu Wort kommen zu lassen, „wir fahren weiter.“

Und 300 Meter weiter, schrie er irgendwas unverständliches in den Wind.

Ich dachte daran, wie scheiße das sein muss, für ihn und für mich.

Da war nun ein Problem zwischen uns, ein sehr sehr heikles noch dazu.

Und der ansonsten so beneidenswert kindlich lachende Easy Rider war nun alles andere als glücklich.

Intuitiv habe ich Danh auf die Schulter geklopft und mein Visir geöffnet.

„Nonstop to MuiNe“, habe ich an seinen Helm geschrien und Danh hat genickt, während der Motor laut aufheulte.

Die Tachonadel pendelte sich auf 90 km/h ein und die karge Wüstenlandschaft zog an uns vorbei.

Er ließ es sich nicht nehmen einige Foto-Stops zu machen – so ist Danh, zuerst jeden um sich herum versorgen, und dann erst sich selbst.

Die Wüstenlandschaft bei Mui Ne wird durchzogen von einem trockenen Flussbett

Und dann waren wir um fast zwei Stunden zu früh in MuiNe.

Nach einigen Fehlschlägen an verschiedenen Bankomaten, konnte ich endlich Cash beziehen.
Wir suchten nach einem Hostel und nachdem ich versorgt war, fragte ich, wie viel es denn ausmacht.

„It’s up to you“, hat Danh gesagt und ja, das war es auch.

Ich bezahlte noch den Restbetrag der gesamten Tour und gab ihm 500.000 VND Tip. Vielleicht weil ich vor einem Tag gehört hatte, dass man in Vietnam nichts vom Staat bekommt und es somit an der einen Generation liegt, die andere zu versorgen, auch dass jede Behandlung im Krankenhaus selbst getragen werden muss, habe ich erfahren. Vielleicht war es auch nur, weil Danh so ein cooler Typ war und wir so viel Spaß hatten, oder weil ich erkannt hatte, dass ich mit so wenig Aufwand, endlich etwas bewirken kann.

Ich weiß nicht aus welchem Grund ich es tat, ich tat es einfach.

Danh bedankte sich herzlich und sagte, wenn ich nochmal käme, könnten wir nach Saigon fahren.

„Why not“, habe ich gesagt und gelacht.

Wir umarmten uns und ich habe gesagt, dass ich ihm und seiner Familie das Beste wünsche.

„Cảm ơn“, danke dir, war die Antwort.

Danh stieg auf sein Bike und ich presste meine letzten Worte über die Lippen:

„See you tomorrow, my friend.“

Doch Danh lachte und antwortete kopfschüttelnd: „No tomorrow, …no tomorrow.“

Und dann ist er davon gerauscht, der coole Easy Rider aus Nha Trang, mein Buddy und Freund.

Und während sein Motor noch in meinen Ohren dröhnte, schickte ich ein stilles Gebet zu Gott ins Universum hoch:

Auch wenn Danh und ich uns nicht mehr wiedersehen, so lass bitte bitte Danh seine Mutter morgen noch wiedersehen.

Weltenstürmer Mad

 

 

 

 

Wie wir blödeln, Danh und ich.

Das einzige Foto, das ich habe, wo wir beide drauf sind. Wie so oft im Leben, dachte ich, dass ich noch mehr Zeit hätte, und jetzt habe ich keine anderen Fotos von Danh und mir und seinem coolen Bike…

Holzstulpturen streichen Danh Easy Rider Tour

See bzw Fluss Easy Rider Tour Danh

Bambusbrücke Easy Rider Tour Danh

Danh Cashew Nuts fabric

Pilzzuchtplantage Easy Rider Tour Danh

Waterfall Easy Rider Tour

Seidenfabrik Easy Rider Tour Da Lat

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Kommentare

  • Ildiko Varga
    Nov 28, 2014 at 13:30 Antworten

    Wahnsinn, was für schöne Dinge du erlebst. Und ich hoffe für dich, dass du noch viel mehr auf deinem Laptop in dein „Tagebuch“ aufschreibst. Von diesen Erfahrungen und Erlebnissen wirst du noch dein Leben lang zehren.
    Ich freu mich schon auf deinen nächsten Bericht. 🙂

    1. Weltenstürmer Mad
      Dez 6, 2014 at 9:58 Antworten

      Hey Ildiko, meine Stammleserin ;-),

      ja, das war schon ein großes Abenteuer mit Danh! Habe einige Dinge notiert und muss die jetzt zu Geschichten aufarbeiten, leider habe ich beim Reisen so wenig Zeit zum Schreiben (und Lesen), man will ja keine Office Days, so wie Zuhause 🙁

      Aber ich werde, sobald sich mein Blog vom Virenbefall erholt hat, versuchen regelmäßiger zu posten.

      Ein fettes Danke an dich fürs Dabeisein 😉

      Liebe Grüße,
      Mad

  • Tanja
    Nov 30, 2014 at 20:20 Antworten

    Hey Mad.

    Ich lese nun schon eine Weile deine Berichte und bin wie gefesselt.
    Daher muss ich einfach kurz etwas dazu sagen.
    Du hast eine unglaublich tolle Art zu schreiben und deine Leser in den Bann zu ziehen. Ich fühle mich, als wär ich nebenher gefahren.
    Danke für die tollen Berichte.

    Viele Grüße,
    Tanja

    1. Weltenstürmer Mad
      Dez 6, 2014 at 10:09 Antworten

      Hey Tanja,

      wow, danke dir für dein Feedback! Das freut mich aber sehr! Ich bin auch mit meinem ganzen Herzblut dabei, umso mehr freut es einen solche wundervollen Worte für sein Schaffen zu hören.

      Cheers!
      Mad

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